Forschungsarbeit: Frauen auf Reisen

Frauen auf Reisen

Kulturgeschichtliche Beiträge zu ausgewählten Reiseberichten von Frauen aus der Zeit 1842-1940

Schriften zur Kulturgeschichte, Band 2

Hamburg 2006, 210 Seiten
ISBN 978-3-8300-2603-7 (Print & eBook)

Rezension

[...] Die Erfahrungen und Lebensperspektiven der Frauen während dieser einhundert Jahre sind durchgehend verschieden. Die Frauen reagierten individuell auf die Herausforderungen der Zeit, und dies macht die Analyse der Bedingungen, Ziele und auch der Rezeption so interessant. Dieser Sammlung gelingt es zu zeigen, daß viele Frauen einen Weg aus den erfahrenen gesellschaftlichen Konventionen heraus suchten.

Das Historisch-Politische Buch, HPB 3/2007

Emanzipation, Frauenliteratur, Gender Studies, Germanistik, Geschichtswissenschaft, Kulturgeschichte, Kulturwissenschaft, Literaturgattung, Reisebericht, Reiseliteratur, Tagebuch

Zum Inhalt

Im 18. Jahrhundert lässt sich mit dem Ausbau der Straßennetze und massentauglichen Verkehrstechniken eine zunehmend verbreitete Reisepraxis feststellen, die im 19. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung und des Kolonialismus einen Höhepunkt erreicht. Auch Frauen, deren Handlungsraum auf das Haus beschränkt war, stellten sich gegen die herrschenden Konventionen und wagten sich in die männlich dominierte Öffentlichkeit, indem sie zu reisen begannen. Zum zweiten Mal brachen sie mit der ihnen zugewiesenen Rolle bei der Veröffentlichung ihrer Reiseerfahrungen, wobei sich das Genre der Reiseliteratur im 19. Jahrhundert zu einer beliebten Literaturgattung entwickelte.

Der erste Weltkrieg veränderte das Bild der Frau, die an Freiheit und Selbständigkeit gewann. Zugleich hatte er eine neue Mobilität von Frauen zur Folge, die im Zuge der nationalsozialistischen Herrschaft Formen von Flucht und erzwungener Emigration annahm. Einen veränderten Charakter weisen auch die weiblichen Reiseberichte aus den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts auf: Dies sind journalistische Feuilletons und Reportagen, wobei sie sich auf die soziale Lage der bereisten Länder und insbesondere auf die Situation von Frauen konzentrieren.

Untersucht werden ausgewählte Schriften von reisenden Österreicherinnen (Ida Pfeiffer, Maria Leitner, Lili Körber, Adrienne Thomas) und Schweizerinnen (Lili Bögli, Isabelle Eberhardt, Annemarie Schwarzenbach, Ella Maillart). Bei der Analyse der Texte wird der kulturgeschichtliche und sozio-historische Hintergrund aufgegriffen: das Frauenbild der entsprechenden Zeit und der weibliche Weg hin zur Reise. Darüber hinaus werden die Texte in ihrer Ganzheit, begonnen mit der Verschriftlichung des Erfahrenen bis zur Rezeption, erfasst. Dabei beschäftigt sich die Autorin auch damit, inwieweit das bürgerliche Weiblichkeitsideal mit dem Verhalten der Autorinnen und der Themenwahl der analysierten Reisetexte korrespondiert und ob die gesellschaftlichen Normen und Werte von ihnen bestätigt, umgeformt oder abgelehnt werden.

Die Nebeneinanderstellung von Reiseberichten aus der kolonialen Epoche und der Zwischenkriegszeit veranschaulicht die sich verändernde Mobilität und Selbstpositionierung reisender Frauen und die damit verknüpfte Wahrnehmung der Fremde.

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