Habilitationsschrift: Das posturale System in der Lebensspanne

Das posturale System in der Lebensspanne

Schriften zur Sportwissenschaft, Band 64

Hamburg 2006, 454 Seiten
ISBN 978-3-8300-2339-5 (Print & eBook)

Frequenzanalsyse, Habilitation, Lebensspanne, Pädagogik, Plastizität, Posturales System, Posturographie, Sportwissenschaft, Trainierbarkeit

Zum Inhalt

Das posturale System stellt ein komplexes, multimodal beeinflusstes, multilokuläres System dar. Seine Aufgabe ist es, Informationen (Afferenzen) aus unterschiedlichen (Sinnes)Systemen zum Zweck der Orientierung und Vertikalisierung des Menschen in seiner Umwelt zu integrieren. Bisher gelang es nicht, das posturale System ganzheitlich zu messen und zu objektivieren. Primär verantwortlich hierfür sind messmethodische Schwierigkeiten. In der Regel erfassen die vorliegenden Assessments, die vielfach zudem alters- und zielgruppenlimitiert sind, ausschließlich die Efferenz. Die Afferenz und Reizverarbeitung und damit der Prozess der Haltungsregulation bleiben hingegen unberücksichtigt.

Zentrales Anliegen dieser Habilitationsschrift, die 13 Quer- und Längsschnittuntersuchungen beinhaltet an denen insgesamt 1894 Personen im Alter von 6 bis 91 Jahren teilnahmen, war es, die Trainierbarkeit und Plastizität des posturalen Systems in der Lebensspanne zu evaluieren. Damit verband sich die Aufgabe, ein innovatives posturographisches Messverfahren, das Interaktive Balancesystem, auf seine Validität und Reliabilität hinsichtlich der Parametrisierung der posturalen Subsysteme mittels Fourier-Analyse zu prüfen.

Im Ergebnis der Untersuchungen ist festzustellen, dass das posturale System in allen (untersuchten) Entwicklungsabschnitten der menschlichen Ontogenese plastisch und trainierbar ist. Darüber hinaus konnte mittels der Fourier-Analyse gezeigt werden, dass die posturalen Subsysteme (visuell, peripher-vestibulär, somatosensorisch, cerebellär, nigrostriatal) valide und reliabel quantifizierbar sind. Mit dem verwendeten Interaktiven Balancesystem steht erstmals ein posturographisches Assessment zur Verfügung, das sowohl den afferenten Input (visuell, peripher-vestibulär, somatosensorisch), die zentralnervöse Reizverarbeitung (cerebellär, nigrostriatal), als auch den motorischen Output quantitativ erfasst. Damit ist es in der sportwissenschaftlichen und klinischen Praxis möglich, sensomotorische Interventionseffekte zu spezifizieren und zu quantifizieren. Des Weiteren liefert die Studie alters- und geschlechtsspezifische Referenzdaten, einen Sturzindex zur Beurteilung der Sturzgefahr bei Osteoporosepatienten sowie interessante Befunde zur Hierarchie des posturalen Systems.

Aus wissenschaftstheoretischer Sicht sind die kritische Auseinandersetzung mit dem Fähigkeitskonzept sowie mit dem Konzept sensibler Phasen hervorzuheben, die der Theoriebildung neue Impulse verleihen sollten.



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