Dissertation: Pädagogische Führung und Erziehung - Selbsttätigkeit und Selbsterziehung

Pädagogische Führung und Erziehung - Selbsttätigkeit und Selbsterziehung

Zur Diskussion pädagogischer Grundkategorien, insbesondere in der Pädagogik der DDR

EUB. Erziehung – Unterricht – Bildung, Band 94

Hamburg 2002, 530 Seiten
ISBN 978-3-8300-0615-2 (Print)

DDR-Erziehungswissenschaftler, DDR-Pädagogik, Erziehung, Pädagogik, pädagogische Führung, Selbsterziehung, Selbsttätigkeit, Zeitzeugeninterviews

Zum Inhalt

Die Frage nach dem Verhältnis von „Führen“ und „Wachsenlassen“, von Lenkung und Selbstbestimmung ist als eine pädagogische Grundfrage zu betrachten. Die darauf in der Geschichte der Pädagogik gegebenen Antworten jedoch fallen äußerst unterschiedlich aus.

Die vorliegende Arbeit hat solche verschieden akzentuierte pädagogische Überlegungen zur antinomischen Spannung von Erziehung und Selbsterziehung seit Beginn des 20. Jahrhunderts zum Gegenstand. Es werden u.a. Auffassungen aus der Zeit der Reformpädagogik, des Nationalsozialismus und der 68er Studentenbewegung analysiert; Texte von Alexander S. Neill, Theodor Litt und Anton Semjonowitsch Makarenko finden Eingang in die Betrachtung. Dabei werden sowohl Potenzen als auch Einseitigkeiten und problematische Aspekte der pädagogischen Überlegungen herausgearbeitet.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Analyse der pädagogischen Diskussion zum Thema Selbsterziehung in der DDR. Welche Auffassungen von Selbsterziehung konnten sich in einer ideologisch geschlossenen Gesellschaft ausformen, in der das Postulat der führenden Rolle des Lehrers zumindest verbal als unumstößliches Axiom galt, in der die Übereinstimmung gesellschaftlicher und individueller Interessen behauptet wurde?

Neben umfangreichen Quellenanalysen wurden zur Beantwortung dieser Frage Erziehungswissenschaftler interviewt, die in der DDR an Pädagogischen Hochschulen und an der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften tätig waren. Die Bilanzierung von „außen“ wird auf diese Weise mit einer Bilanzierung von „innen“ - aus der Sicht ehemaliger Akteure - verknüpft. Auf dieser Basis kann ein differenziertes Bild der pädagogischen Denkansätze gezeichnet werden.

Im Ergebnis der Untersuchung läßt sich für die Selbsterziehungsdiskussion in der DDR eine letztlich unbewältigte Spannung feststellen: Die fundamentale pädagogische Forderung nach der aktiven Rolle des Heranwachsenden im Erziehungsprozeß fand ihre Grenze in nicht weniger bedeutsam gewordenen weltanschaulich-ideologischen Prämissen.



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