Dissertation: Koorientierung, soziale Kategorisierung und interaktive Behandlung von Meinungsdivergenzen in Gruppendiskussionen

Koorientierung, soziale Kategorisierung und interaktive Behandlung von Meinungsdivergenzen in Gruppendiskussionen

Studienreihe psychologische Forschungsergebnisse, Band 44

Hamburg 1999, 308 Seiten
ISBN 978-3-86064-908-4 (Print)

Argumentation, Interaktion, Koorientierung, Meinungsdivergenz, Psychologie, Selbstkategorisierung, soziale Gruppe

Zum Inhalt

Gegenstand dieser Arbeit ist der Einfluss der Salienz einer sozialen Kategorisierung von Meinungsgegnern in kontroversen Gruppendiskussionen auf Aspekte der interaktiven Behandlung von Meinungsdivergenzen. Die untersuchten Aspekte werden in einem Zusammenhang mit Prozessen der Koorientierung im Kontext einer Kontroverse gesehen. Unter phänomenologisch-hermeneutischen Gesichtspunkten lässt sich Koorientierung in Gesprächen als vorübergehendes Teilen einer sozialen Realität vor dem Hintergrund wechselseitig als relevant anerkannter Anliegen der Beteiligten begreifen. Diese geteilte soziale Realität findet in einem einheitlichen Verständnis sprachlicher Zeichen, der kooperativen Ausrichtung der Interaktion an einem bestimmten Zweck und einer geteilten Sichtweise der dialogischen Beziehung ihren Ausdruck. Eine grundlegende Voraussetzung für Koorientierung lässt sich in der Annahme der Reziprozität der Perspektiven auf Seiten der Gesprächsteilnehmer sehen.

Der Autor erörtert grundlegende Aspekte der Koorientierung im Kontext der interaktiven Behandlung von Meinungsdivergenzen. Dabei geht es zunächst um einen möglichen Zusammenhang zwischen der interaktionalen Orientierung der Beteiligten und der Struktur sprachlicher Bezugnahme auf Aspekte strittiger Sachverhalte. Darüber hinaus werden Aspekte erörtert, die den Koorientierungsprozess im Kontext der interaktiven Behandlung von Meinungsdivergenzen beeinträchtigen könnten. Auch Ansatzpunkte und Grundgedanken der Selbstkategorisierungstheorie sowie die aus ihr ableitbaren Erklärungen für Kooperation, sozialen Einfluss und Strukturbildung in interagierenden Gruppen kommen zur Sprache. Von der Selbstkategorisierung ausgehend wird angenommen, dass die Salienz einer Ingroup-Outgroup-Kategorisierung der Meinungsgegner im Kontext einer Kontroverse Koorientierungsprozesse maßgeblich beeinflussen kann. Der Autor stellt spezifische Hypothesen auf hinsichtlich des Einflusses des Ausmaßes der Salienz einer Ingroup-Outgroup-Kategorisierung auf die Struktur und den Charakter der Interaktion zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Gruppen. Diese Hypothesen werden im Rahmen einer empirischen Untersuchung experimentell überprüft.



Informationen über das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten.

nach oben