Dissertation: Die Tendenz zur konservativen Anpassung: Zur Entwicklungslogik der Gewerkschaften

Die Tendenz zur konservativen Anpassung:
Zur Entwicklungslogik der Gewerkschaften

dargestellt an der Politik der IG Metall-eine Fallstudie

POLITICA – Schriftenreihe zur politischen Wissenschaft, Band 34

Hamburg , 352 Seiten

ISBN 978-3-86064-831-5 (Print)

Zum Inhalt

Zielwandel und Identitätsverlust als gewerkschaftliche Überlebensstrategie?

Ihre volle Brisanz entfaltet diese Vermutung erst vor dem Hintergrund der gegenwärtigen gewerkschaftlichen Modernisierungsanstrengungen, die Formen der Zusammenarbeit mit dem Kapital zeitigen. Dies beinhaltet ein Abrücken von ursprünglichen arbeitnehmerorientierten gewerkschaftlichen Zielen zugunsten der Übernahme betriebswirtschaftlicher Verantwortung („Co-Management“) und impliziert eine Grenzverwischung, die die Frage nach der gewerkschaftlichen Identität aufkommen lässt.

Warum die Gewerkschaft diesen nicht ganz unproblematischen Weg einschlägt erklärt die Autorin in der Arbeit mit der These von der konservativen Anpassung: Der eingeschlagene Weg verschafft der Gewerkschaft nämlich bestandssichernde Ressourcen, die ihr eine weniger systemkonforme, ausschließlich an (kurzfristigen) Mitgliederinteressen orientierte Politik nicht verschaffen würde. Daran wird deutlich, dass es nicht unbedingt auf die Mitglieder als Ressource ankommt. Unter der Pflege und dem Erwerb strategischer Ressourcen ist der Zugang zu Entscheidungsträgern zentral. Darum geht es den Gewerkschaften in allen möglichen Formen netzwerkähnlicher Gesprächs- und Verhandlungsrunden außerhalb der tarifpolitischen Sphäre zwischen Kapital und Arbeit zunehmend, auch wenn der unmittelbare Ertrag für die Mitglieder eher gering ist.

Nachgewiesen wird dies am Fall eines Arbeitskreises, bei dem sich - was ein absolutes Novum ist - eine Gewerkschaft (IG Metall) mit Unternehmerverbänden (VDW/VDMA) zusammengesetzt hat - zur Erarbeitung eines gemeinsamen arbeitsorganisatorischen Konzepts, und zwar der Einführung von Gruppenarbeit im badenwürttembergischen Werkzeugmaschinenbau. Neu daran ist, dass es sich nicht um Arbeitgeberverbände handelt, die normalerweise Gesprächspartner bzw. das eigentliche verbindliche Pendant zu den Gewerkschaften darstellen.

Wie es der Gewerkschaft in dieser neuartigen Konstellation ergangen ist, in der sie der Kapitalseite ohne das ihr sonst zur Verfügung stehende Erzwingungspotential wie Mitgliedermobilisierung, Streik, Druck in der Öffentlichkeit ausgesetzt war, und warum sie sich trotz absehbarer, für sie nicht befriedigender Verhandlungsergebnisse dennoch auf ein solches durch ein extremes Machtungleichgewicht gekennzeichnetes Netzwerk eingelassen hat, wird von der Autorin mit den Mitteln der Netzwerkanalyse untersucht und zu erklären versucht.

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