: Die Bewertung psychiatrischer Behandlung durch die Patienten

Die Bewertung psychiatrischer Behandlung durch die Patienten

Studien zur Psychiatrieforschung, Band 5

Hamburg , 228 Seiten

ISBN 978-3-86064-308-2 (Print)

Zum Inhalt

Der Erforschung der menschlichen Psyche wird in unserer Gesellschaft häufig eine gehörige Portion Skepsis entgegengebracht. Die vorgebrachte Kritik reicht dabei von einem Unbehagen, mit „harten“ wissenschaftlichen Methoden die „weiche“ Seele des Menschen zu ergründen zu wollen, bis hin zu einem generellen Zweifel an der Effizienz gängiger Forschungsmethoden und -ansätze, um mehr als nur Trivialitäten zu produzieren.

Eine Gegenbewegung zur biologisch determinierten psychiatrischen Forschung - teilweise aber auch nur eine Ergänzung zu ihr - stellen subjektzentrierte Ansätze in der Evaluation psychiatrischer Versorgung dar. Im Blickpunkt dieser Forschungsrichtung stehen Lebensqualität, Bedürfnisse (und deren Erfüllung) der Patienten, sowie ihre Zufriedenheit mit der psychiatrischen Behandlung. Der Leitgedanke dabei ist, den „Patienten“ mehr als aktiven „Nutzer“ und „Konsumenten“ eines psychiatrischen Behandlungsangebotes anzusehen.

Ausgangspunkt hierfür waren insbesondere Forschungen in gemeindepsychiatrischen Einrichtungen im anglo-amerikanischen Raum, deren oft starker finanzieller und Rechtfertigungsausdruck vielfältige Evaluationsbemühungen zur Folge hatte. Der Behandlungsbewertung wurde dabei unhinterfragt der Status eines zentralen Evaluationskriteriums einer Behandlung gegeben. Die vorliegenden Studien unterliegen aber zum Teil erheblichen methodischen Problemen.

Um die Behandlungsbewertung als Evaluationskriterium einsetzen zu können, scheint es unabdingbar zu sein, sie zunächst einmal als Variable im Therapieprozess, ihre Eigenschaften, Variationen und Beeinflussbarkeit zu untersuchen. Im vorliegenden Buch wird eine Studie referiert, die die Entwicklung, Korrelate und Verlaufsbedingungen der Bewertung psychiatrischer Behandlung durch „schizophrene“ Patienten im Vergleich zu Patienten mit nicht psychotischen Störungen untersuchte. Durchgeführt wurde die Untersuchung in der Tagesklinik der Abteilung für Sozialpsychiatrie der Freien Universität Berlin.

Die einzelnen Fragestellungen waren wie folgt: Was und wie bewerten Patienten in einer tagesklinischen Behandlung? Verändert sich die Bewertung der Patienten im Verlauf der Behandlung, und gibt es einen spezifischen Trend in der Veränderung? Womit korreliert die Behandlungsbewertung? Inwieweit kann die Behandlungsbewertung den Behandlungserfolg prognostizieren? Inwieweit ist ein Eingehen auf die Veränderungswünsche der eher unzufriedenen Patienten möglich und welche Konsequenzen hat eine derartige Intervention auf die Bewertung und den Erfolg der Behandlung? Die Untersuchung erfolgte in einem Längsschnittdesign mit quantitativer und qualitativer Untersuchungsmethodik.

Die zentrale Hypothese, die sich aus den Ergebnissen der Gesamtstudie ergibt, ist, dass die von den Patienten wahrgenommene Qualität von Beziehungsaspekten und der Beziehung zur Behandlungseinrichtung entscheidend für die Bewertung der Behandlung ist. Die Bewertung einzelner Elemente ist durch eine grundsätzliche Tendenz gekennzeichnet - Einstellung zur Behandlung überlagert -, wodurch sich die immer wieder gefundene, eher globale und überwiegend positive Bewertungstendenz erklärt. Auf dieser Hypothese aufbauend wurde ein Kontakt-Prozess-Modell der Bewertung vorgestellt, welches die Phasen der Beziehungsaufnahme des Patienten zur Behandlung zu beschreiben versucht.

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