: Der geschlechtsspezifische Verlauf der Schizophrenie über 10 Jahre

Der geschlechtsspezifische Verlauf der Schizophrenie über 10 Jahre

Studien zur Schizophrenieforschung, Band 3

Hamburg 1995, 244 Seiten
ISBN 978-3-86064-256-6 (Print)

geschlechtsspezifisch, Geschlechtsunterschiede, Gesundheitswissenschaft, Medizin, Mortalität, Schizophrenie, Schizophrenieverlauf, Verlaufskriterien

Zum Inhalt

Einer der wenigen gesicherten Befunde der Schizophrenieforschung ist das geschlechtsspezifische Erkrankungsalter. Die Erstmanifestation der Psychose erfolgt bei Frauen im Durchschnitt um mehrere Jahre später als bei Männern. Die Ergebnisse zum geschlechtsspezifischen Schizophrenieverlauf sind weniger eindeutig. Etwa die Hälfte der Studien, die sich dieser Frage widmen, berichten einen ungünstigeren Verlauf bei Männern, die andere Hälfte kann keine Geschlechtsunterschiede im Krankheitsverlauf feststellen. Ausgeschlossen wird lediglich - von vereinzelten Berichten abgesehen - ein ungünstigerer Verlauf bei Frauen.

Im Anschluss an die umfassende Darstellung und Bewertung der Literatur zum geschlechtsspezifischen Verlauf der Schizophrenie erfolgt eine empirische Analyse des Verlaufs über 10 Jahre an einer vollständigen Jahrgangsstichprobe der im Jahre 1976 erstmalig wegen Schizophrenie oder einer ähnlichen Störung hospitalisierten Patienten Dänemarks. Die Daten entstammen dem nationalen dänischen Fallregister in Århus und enthalten sämtliche stationären Behandlungsepisoden von 1.169 Patienten (527 Männer und 642 Frauen).

Der Verlauf wird anhand der institutionellen Parameter Wiederaufnahmerate, Anzahl und Dauer von Behandlungsepisoden und der Mortalität im Untersuchungszeitraum bewertet. Der Autor versucht, diejenigen Bedingungen zu identifizieren, welche die Aufdeckung von Geschlechtsunterschieden im Verlauf fördern bzw. erschweren. Von außerordentlicher Bedeutung erweist sich das zu Grunde gelegte Schizophreniekonzept.

Frauen sind unter einem weiten Konzept, welches Schizophrenien, paranoide Störungen und ähnliche Diagnosen umfasst, in den Randdiagnosen überrepräsentiert. Diese sind jedoch auch durch einen günstigeren Verlauf gekennzeichnet. Deshalb könnte die Wahl des diagnostischen Konzepts dazu beitragen, den günstigeren Verlauf der Frauen zu erklären. Bei Begrenzung auf die schizophrene Kerngruppe (entsprechend ICD 295) gehen sämtliche Geschlechtsunterschiede im 10-Jahres-Verlauf verloren. Abschließend wird empfohlen, im Rahmen der Direkterhebung einer epidemiologischen Stichprobe das methodische Vorgehen zu wiederholen, um durch Anwendung operationaler diagnostischer Kriterien und unter Berücksichtigung auch des sozialen Verlaufs die Ergebnisse dieser Registerstudie zu replizieren und um weitere Aspekte zu ergänzen.



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