: Die Möglichkeiten des Sichtbaren

Die Möglichkeiten des Sichtbaren

Eine Betrachtung über Cézannes „Steinbruch bei Bibemus“ und die möglichen Folgen, die sich für die „Badenden“ ergeben

Schriften zur Kulturwissenschaft, Band 7

Hamburg , 72 Seiten

ISBN 978-3-86064-221-4 (Print)

Zum Inhalt

Diese Studie lässt ein bekanntes Bild Cézannes von einer gedachten Zeichnung her entstehen und geht von da aus in die Malweise über. Alle Beobachtungen, die sich dabei ergeben, führen zu einer Sehweise, die Cézanne dahinbrachte, die gesamte Malerei der Neuzeit als Missverständnis zu begreifen, sofern sie sich vom Raum abhängig machte. Cézanne hat - obwohl ein moderner Künstler - den Raum in seinen Bildern vernichtet. Damit unterscheidet er sich grundlegend von seinen Zeitgenossen und dem Kunstverständnis seiner Zeit. Sein Misserfolg war damit programmiert.

Die Modernität seines historischen Standorts bewahrt allerdings etwas, das erst in der Renaissance freigelegt wurde: das Selbstbewusstsein des neuzeitlichen Künstlers, der sich in seinem Schöpfungsakt als zweiter Gott verstehen darf. Die alte Ursprünglichkeit des Malers und sein modernes Selbstverständnis gehen eine einzigartige Verbindung ein, in der Cézanne nur mit sich selbst identisch ist.

Was die große Reihe der Badenden betrifft, so hat sich Cézanne von ihrer Einschätzung seit 1900 noch immer nicht erholt; selbst eine neuere Ausstellung kann dem Maler nur „Verhässlichung“ bescheinigen. Die Eigenarten, die sich Cézanne bei der Darstellung des nackten Körpers schon als junger Mann zugelegt hatte, zeigen vor allem ein wesentliches Merkmal, worin er zwingend seiner Landschaftsmalerei folgt: Die Figuren sind in die Fläche gepresst und darum nicht schön im herkömmlichen Sinn, und sie sind keine Wiederholungen berühmter Vorbilder.

Bei näherer Betrachtung zeigt sich eine flächige Verzerrung der menschlichen Figur, die der Maler möglicherweise aus der romanischen Bauplastik entnommen haben könnte. Cézannes Figuren sind nackt, unerotisch und unterdrückten ihr Geschlecht; in ihrer vorläufigen Räumlichkeit gehen sie in kompositorische Zusammenhänge ein, die sie Teile von Etwas werden lässt. Das entspräche einem bestimmten Aspekt des Begriffs „Erlösung“.

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