Lebenserinnerung: Die Vorgeschichte der Grafschaft Flandern in Sage und historischer Wirklichkeit

Die Vorgeschichte der Grafschaft Flandern in Sage und historischer Wirklichkeit

Studien zur Geschichtsforschung der Neuzeit, Band 4

Hamburg , 296 Seiten

ISBN 978-3-86064-181-1 (Print)

Zum Inhalt

Diese Arbeit behandelt die Vorgeschichte Flanderns unter zwei Gesichtspunkten: einerseits die sagenhafte Vorstellung von der Entstehung der Grafschaft und andererseits die eigentliche historische Entwicklung der Landschaft hin bis zu dem Zeitpunkt, an dem von einer Grafschaft Flandern im eigentlichen Sinn gesprochen werden kann. Dieser Punkt wird hier in der Regierungszeit Graf Balduins V. im 11. Jahrhundert gesehen. Die Schilderung der sagenhaften Vorgeschichte wird indes zeitlich noch weiter geführt, da diese auch nach dem historischen Endpunkt der Vorgeschichte in Verbindung mit dem weiteren historischen Geschehen verbleibt und sich somit ein anders geartetes Ganzes ergibt, das erst mit dem Ende der burgundischen Epoche ein Ende finden wird.

Die historische Entwicklung der Grafschaft Flandern stellt sich in einem sehr komplizierten Bild dar, u.a. verursacht durch die schwierige Quellenlage. Die Grafschaft Flandern wurde nicht als solche begründet, sondern hat sich auf besondere Art entwickelt. Dieser Prozess, der sich über einen längeren Zeitraum erstreckte, war zum Teil wohl durch die geographische Situation des Landes bedingt. Die gelegentlichen dramatischen Meereseinbrüche, von denen wir im Mittelalter erfahren, zeigen deutlich, dass der Mensch den Naturgewalten damals weitgehend hilflos gegenüberstand, und diese Unsicherheit hat sicherlich die Entwicklung menschlichen Gemeinschaftslebens erheblich beeinflusst. Es dürfte feststehen, dass sich politische Verwaltungseinheiten, wie sie auf dem Festland bereits bestanden, im Küstenraum vorerst nicht formieren konnten. Nach einigen Anhaltspunkten in karolingischen Gesetzesverordnungen wurden die Bewohner des Landes durch die Instanzen benachbarter Grafschaften mitverwaltet.

Diese Arbeit bietet neue Erkenntnisse über die Rolle Balduins I., der einerseits noch in der Sage auftaucht, andererseits am Beginn der historisch greifbaren Wirklichkeit steht. Wurde er früher mit der Gründung der Grafschaft Flandern in Verbindung gebracht, gibt es doch erst bei seinem Sohn Balduin II. Ansatzpunkte für ein größeres politisches Gebilde in diesem Raum, das allerdings noch nicht die Grafschaft Flandern ist. Sowohl durch den Tod Balduins II. als auch durch den seines Nachfolgers Arnulf I. erleidet die historische Entwicklung schwere Rückschläge, so dass erst zu Beginn des 10. Jahrhunderts mit der Regierung Balduins IV. der endgültige Durchbruch zu einer festgefügten Grafschaft Flandern einsetzt. Erreicht wird das Ziel um die Mitte des 11. Jahrhunderts durch die Verbindung des Grafen mit der kirchlichen Gottesfriedenbewegung, die der gräflichen Macht die nötige Rückenstärkung verschaffte, um die Einheit einer Grafschaft Flandern zu begründen.

Neben dieser historischen Wirklichkeit läuft die Legende von der Entstehung der Grafschaft Flandern, wobei ein schon früh genannter Lidricus als Graf in die Epoche Karls des Großen versetzt wird, von dem er die Grafschaft erhalten habe. Trotz eines Gründungsberichts in Lamberts von St. Omer Liber Floridus (1120), der das flandrische Grafenhaus in genealogische Verbindung mit dem fränkischen Königshaus und durch dieses mit Priamus von Troja bringt, ist es Graf Lidricus, der als konstanter Faktor für die Entstehung der Grafschaft Flandern durch ihre ganze Geschichte erhalten bleibt. Jede in dieser Grafschaft auftretende Veränderung wird konsequent in die Lidricus-Legende eingefügt, wodurch sie mitunter groteske Formen annimmt. In dem großen Werk des 1520 gestorbenen Philipp Wielant lässt sich die Tendenz erkennen, zu einer nüchterneren Betrachtung der historischen Wirklichkeit zu kommen, allein bleibt auch hier die Vorstellung einer sagenhaften Gründung der Grafschaft Flandern durch Karl den Großen bestehen.

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