: Kritik des Behaviorismus

Kritik des Behaviorismus

Studienreihe psychologische Forschungsergebnisse, Band 5

Hamburg 1993, 394 Seiten
ISBN 978-3-86064-125-5 (Print)

Behaviorismus, Kritik, objektive Psychologie, Philosophie, Psychologie, psychologische Behaviorismen, Skinner, Tolman, Watson

Zum Inhalt

Der Beginn des 20. Jh. ist wissenschaftstheoretisch deutlich geprägt von der Dynamik der mächtigen Erkenntnisschritte in den klassischen Naturwissenschaften. Zu dieser Zeit macht sich auch die noch relativ junge Psychologie auf den behavioristischen Weg zur verfahrenstechnischen Disziplinierung. Glanz und Würde von Physik, Chemie und Biologie sollen fortan auch auf die Psychologie fallen, sollen auch diese endgültig vom geheimnisumwitterten Brimborium befreien. Der rasante Neuerungseifer wütet jedoch alsbald an etlichen gesteckten Zielen vorbei. Hinsichtlich Forschungsgegenstand, Methodenwahl und unterlegtem Wissenschaftsbild kommt es, quasi mit der Geburtsstunde des psychologischen Behaviorismus, einerseits zu überzogenen Forderungen und andererseits zu restriktiven Denktabus. Die rigorose Hinwendung zum Verhalten von Tieren und Menschen weckt demzufolge bereits mit ihrem Entstehen Vorbehalte und fordert Gegenkräfte heraus.

Problemhistorisch gelingt es Kritikern des Behaviorismus - mal weniger, mal mehr -, die Mängel und Irrtümer in den Verhaltenslehren aufzudecken. Alles in allem bleiben diese Versuche jedoch bruchstückhaft-intuitiv, und sie sind nicht systematisch. Zudem blenden der hinzugewonnene lernexperimentelle Nutzen und die mathematisch-statistischen Perspektiven im Kern und im Sog der Behaviorismen viele kritische Augen. Die Verbannung der Selbstbeobachtung und des Subjekts sowie die Versteifung auf einen eingeengten Begriff „Verhalten“ beeinflussen nachhaltig die Allgemeine Psychologie. Watson, Skinner, Tolman und Gefolgsleute setzten mit ihren heftigen Angriffen gegen den „metaphysischen Ballast“ Lawinen psychologischer Läuterungsversuche in Bewegung, die bis in unsere heutige Zeit nicht zum Stillstand gekommen sind.

Vor dem Hintergrund einer „Universellen Theorie vom Handeln“ vollzieht diese Untersuchung eine sachsystematische Kritik an behavioristischen Konzepten. Über ein spezielles fragemethodisches Vorgehen wird durchführbar, was bis dahin zufälligem Gelingen beschieden war: Sowohl das behavioristische Ganze als auch die feingliedrige Verflochtenheit von Teilmomenten werden im Raster handlungstheoretischen Denkens ort- und analysierbar. Das umschließt auch die schädlichen Folgen behavioristischer Grundannahmen mit entsprechenden Übersetzungen in Anwendungsbereiche hinein, insbesondere diagnostische und psychotherapeutische. Die Umfassendheit der kritischen Würdigung führt mit vor Augen, wie eine handlungstheoretisch fundierte Lehre vom Verhalten fruchtbarer hätte wirken können. Diese Transparenz macht aber auch sichtbar, wie sehr es Not tut, die Psychologie und ihre wissenschaftstheoretischen Voraussetzungen tauglich aufzubauen. Die allenthalben antreffbare Flucht in empiri(sti)sche Forschungswinzigkeiten ohne theoretische Bindung zeugt für diese Behauptung.



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