: Persönlichkeit und soziales Verhalten von Kindern im Alltag

Persönlichkeit und soziales Verhalten von Kindern im Alltag

Studien zur Kindheits- und Jugendforschung, Band 5

Hamburg 1993, 213 Seiten
ISBN 978-3-86064-110-1 (Print)

dispositionelle Schüchternheit, Herzaktivität, Kind, nonverbale Kommunikation, Persönlichkeitskonstrukte, Psychologie, soziale Gehemmtheit, Sprechverhalten, Ungeselligkeit

Zum Inhalt

In vielen Persönlichkeitstheorien werden Ungeselligkeit und soziale Gehemmtheit (dispositionelle Schüchternheit) in einem breiten Persönlichkeitskonstrukt zusammengeführt. In dieser Arbeit wurde untersucht, ob dieses Vorgehen sinnvoll ist oder ob diese Eigenschaften soziales Verhalten unterschiedlich beeinflussen.

Mit Hilfe moderner Technik (Logoport) konnten das Sprechverhalten und die Herzaktivität von Zweitklässlern im Labor und im Alltag über ganze Tage analysiert werden. Mit hoher zeitlicher Auflösung (125 Werte pro Sekunde) wurde registriert, wann und wie lange die Kinder sprachen. Der Sprechinhalt wurde nicht erfasst.

Im Gegensatz zu ungehemmten Kindern redeten die nach Elternurteil sozial gehemmten Kinder in Situationen, die ihnen nur gering vertraut waren, weniger und kürzer als in Situationen mit ausschließlich bekannten Personen. Die unvertrauten Situationen waren Begegnungen mit fremden Erwachsenen oder Kindern und die sozialen Situationen in der Schule. Ungeselligkeit hatte keinen Einfluss auf das Verhalten in sozialen Situationen. Die nach Elternurteil ungeselligen Kinder suchten aber selten sozialen Kontakt. Deshalb sprachen sie nachmittags im Alltag weniger als die geselligen Kinder.

Demnach ist Ungeselligkeit als geringe soziale Annäherungsmotivation, nicht aber gleichzeitig als hohe soziale Vermeidungsmotivation zu verstehen; soziale Gehemmtheit ist als hohe soziale Vermeidungsmotivation, nicht aber gleichzeitig als geringe soziale Annäherungsmotivation zu verstehen. Soziale Gehemmtheit und Ungeselligkeit hatten keinen Einfluss auf die Herzaktivität.

Diese Arbeit zeigt, dass die Verwendung relativ enger Persönlichkeitskonstrukte gute Verhaltensvorhersagen sowohl im Labor als auch im Feld erlaubt. Sie macht zudem deutlich, dass Untersuchungen des sozialen Verhaltens außerhalb des Labors in ökologisch validen Situationen nicht nur möglich, sondern bei der Erforschung bestimmter Persönlichkeitskonstrukte und deren Interaktion mit Situationen auch notwendig sind.



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