Dissertation: Patientengewinnung im Krankenhaus

Patientengewinnung im Krankenhaus

Determinanten der Krankenhauswahl und ihre Beeinflussung
– Eine theoretische und empirische Analyse –

Gesundheitsmanagement und Medizinökonomie, Band 40

Hamburg 2015, 342 Seiten
ISBN 978-3-8300-8293-4 (Print & eBook)

Rezension

[...] Der starke Anwendungsbezug der Arbeit macht das Werk [...] für Führungskräfte wie Geschäftsführer eines Krankenhauses sowie Fachkräften aus dem Qualitätsmanagement und dem Krankenhaus-Marketing interessant.

Michael Schneider, in:
socialnet Rezensionen, 11.10.2016

Behandlungsqualität, Discrete-Choice-Experiment, Gesundheitsökonomie, Krankenhauswahl, Krankenhauswettbewerb, Marketing, Patientengewinnung, Patientenpräferenzen, Patientensouveränität, Qualitätstransparenz, Zuweisermarketing, Zuweiserpräferenzen

Zum Inhalt

Patienten, zuweisende Ärzte und Rettungsdienste müssen jedes Jahr in über 19 Millionen Fällen ein Krankenhaus für eine stationäre Behandlung auswählen. Dabei kann eine falsche Entscheidung schwerwiegende Folgen haben: In medizinischer Hinsicht sind Patienten möglicherweise einem erhöhten Risiko vermeidbarer Komplikationen ausgesetzt. Volkswirtschaftlich gesehen sind Fehlbehandlungen teuer und aus der Perspektive eines Krankenhauses kann eine hohe Qualität langfristig nicht angeboten werden, wenn die höheren Kosten nicht durch Erlöse zusätzlich gewonnener Patienten ausgeglichen werden.

Das Ziel des Verfassers ist es, die Präferenzen von Patienten und zuweisenden Ärzten in Deutschland hinsichtlich der Krankenhauswahl zu ermitteln, um Erkenntnisse für das Krankenhausmarketing zu gewinnen und gesundheitspolitische Implikationen ableiten zu können. Der Fokus liegt dabei auf dem Effekt von Qualitätsdaten und Marketingmaßnahmen. Nach Vorüberlegungen zum Einfluss von Krankenhäusern auf die Krankenhauswahl, wird ein Modell hergeleitet, welches im Einklang mit der ökonomischen Nutzentheorie die in einem hierfür konzipierten Discrete Choice-Experiment erhobenen Daten zur Krankenhauswahl ökonometrisch analysiert. Das Experiment wird als Feldstudie mit 727 Ärzten und 661 Patienten durchgeführt. Die Schätzung der Präferenzen mittels Probit-Regression erfolgt zunächst für Patienten und zuweisende Ärzte getrennt, anschließend werden sie vergleichend gegenübergestellt.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Präferenzen von Patienten und zuweisenden Ärzten beispielsweise hinsichtlich der Bewertung von Komplikationsraten und Behandlungsergebnis ähneln. In einzelnen wichtigen Aspekten unterscheiden sie sich jedoch deutlich voneinander. Vor allem ist die Abneigung gegen weite Distanzen bei Patienten um fast drei Viertel kleiner als jene von Ärzten. Dies führt dazu, dass die Zuweiser letztlich eine Krankenhauswahl treffen, die nicht im Interesse der Patienten liegt. Diese sind bereit, weitere Wege auf sich zu nehmen, um in einer qualitativ hochwertigen Klinik behandelt zu werden, während die zuweisenden Ärzte eher Ihnen bekannte und lokale Kliniken empfehlen.

Die hieraus abzuleitenden Schlussfolgerungen betreffen das Krankenhausmanagement genauso wie die Gesundheitspolitik. Im Krankenhausmarketing und Qualitätsmanagement sollte der Fokus darauf liegen, die eigene Einrichtung hinsichtlich der relevanten Qualitätsinformationen im Vergleich zu Wettbewerbern zu differenzieren. Die Frage, welche Marketingkanäle genutzt werden, seien es traditionelle oder online-basierte ‘soziale Medien‘, ist demgegenüber von geringer Bedeutung. Politisch gesehen bietet die starke Reaktion auf Qualitätsunterschiede eine wichtige Voraussetzung für den angestrebten qualitätsorientierten Wettbewerb. Zu überwindende Hürden liegen jedoch in der schwach ausgeprägten Informationssuche von Patienten und Ärzten und der geringen Verständlichkeit und Relevanz bisher verfügbarer Qualitätsdaten. Auch in dieser Hinsicht ist noch ‘ein weiter Weg‘, das richtige Krankenhaus auszuwählen.



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