Doktorarbeit: Einheit in der Differenz – Die innere Struktur des Erzähler-Ichs

Einheit in der Differenz – Die innere Struktur des Erzähler-Ichs

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 132

Hamburg 2015, 332 Seiten
ISBN 978-3-8300-8264-4 (Print), ISBN 978-3-339-08264-0 (eBook)

Daniel Kehlmann, Die Blechtrommel, Erlebendes Ich, Erzählendes Ich, Erzähltextanalyse, Günter Grass, Ich-Erzählung, Ich und Kaminski, Identität, Johann Gottlieb Fichte, Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Stefan Beuse, Trinität, Unzuverlässiger Erzähler, Wilhelm Genazino

Zum Inhalt

Das Ich ist gleichzeitig Erlebender und Erinnernder - das Ich, das eigentlich eins sein soll, ist in sich gespalten. Besonders moderne Erzählungen und Romane setzen sich zunehmend mit Identitäts- und Differenzfragen des Ichs auseinander. Das fordert eine Neuverhandlung der Frage nach dem Erzähler-Ich. Handelt es sich um ein und dieselbe Person, die erzählt und erlebt, oder sind es vielmehr zwei unterschiedliche Funktionen der Erzählung, die nur vermeintlich einer einzigen Person zugeordnet werden können? Die Autorin unternimmt es, den Widerspruch, der nach wie vor in der Erzählforschung herrscht, aufzudecken und zwischen den konträren Forschungspositionen zu vermitteln, indem sie Identität und Differenz systemisch zusammendenkt.

Anhand einer Analogiebildung wird der inneren Struktur des Erzähler-Ichs nachgegangen und grundlegende Fragen der Erzähltheorie neu verhandelt. Philosophische und theologische Denkmodelle, wie Fichtes Grundlage der Gesamten Wissenschaftslehre und die Trinitätsfrage, werden herangezogen, um aufzudecken, dass das Ich des Erzählers trotz seiner inhärenten Differenz eine Einheit bildet.

Die abstrakten Überlegungen des Theorie-Teils werden in einem zweiten Praxis-Teil anhand konkreter Textbeispiele erläutert. Analysen zu Günter Grass? Blechtrommel, Daniel Kehlmanns Ich und Kaminski, Stefan Beuses Alles was du siehst und Wilhelm Genazinos Mittelmäßiges Heimweh zeigen auf, wie sich mithilfe des zuvor entwickelten Modells neue Sichtweisen und Interpretationsebenen aufschließen lassen. Aspekte wie pronominale Wechsel, unzuverlässiges Erzählen, Ironie als Erzählhaltung und Präsenserzählung zeigen auf, dass in allen vier herangezogenen Texten ein jeweils anderes Verhältnis von erzählendem und erlebendem Ich vorliegt. Durch die ungewöhnliche Herangehensweise erschließt sich dem Leser eine neue Sicht auf den Ich-Erzähler.



Informationen über das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten.

nach oben