Doktorarbeit: Der Einfluss der Besteuerung auf variable Vergütungsverträge unter Berücksichtigung von Agency-Konflikten und Realoptionen

Der Einfluss der Besteuerung auf variable Vergütungsverträge unter Berücksichtigung von Agency-Konflikten und Realoptionen

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre in Forschung und Praxis, Band 85

Hamburg 2013, 232 Seiten
ISBN 978-3-8300-7408-3 (Print & eBook)

Agency-Konflikt, Asymmetrische Besteuerung, Bonusbesteuerung, Moral Hazard, Prinzipal-Agenten-Theorie, Realoptionen, Steuern, Variable Vergütung

Zum Inhalt

In der vorliegenden Forschungsarbeit werden die Auswirkungen der Besteuerung auf variable Vergütungsverträge unter Berücksichtigung von Agency-Konflikten und Realoptionen untersucht. Ziel ist es, neue Erkenntnisse über die – in der Fachliteratur noch nicht abschließend behandelte – steuerliche Beeinflussung leistungsabhängiger Entlohnungsverträge in komplexen Entscheidungssituationen zu gewinnen und modelltheoretische Mechanismen aufzeigen, die die Produktivität der Unternehmen nachhaltig beeinflussen. Als Untersuchungsgrundlage dient ein binäres Prinzipal-Agenten-Modell, in dem zwischen den beteiligten Akteuren eine Informationsasymmetrie unterstellt wird, die zur Lösung der daraus resultierenden Moral Hazard-Problematik eine finanzielle Anreizsetzung durch die Unternehmenseigner bedingt. Mittels Integration von unterschiedlichen Steuerarten und -varianten werden deren Effekte in drei Fallgestaltungen bzw. Konstellationen analysiert. Im ersten Forschungsteil wird dargestellt, wie eine Besteuerung von variablen Vergütungsverträgen ausgestaltet werden könnte, d.h. als Strafsteuer auf der Seite der Unternehmenseigner oder als zusätzlicher Bestandteil der Einkommensteuer auf das Gehalt des Managers. Dieser Vorgabe entsprechend, werden die Auswirkungen der Besteuerungsvarianten auf die Produktivität des Unternehmens verdeutlicht und anschließend geprüft, welche der Besteuerungsarten für den Staat von Vorteil wäre.

Im zweiten Forschungsteil wird die im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise an Bedeutung gewonnene steuerliche Behandlung von Verlusten aufgegriffen. Die diesbezüglichen Veröffentlichungen in der Fachliteratur werden insofern erweitert, als eine eingeschränkte Steuererstattungsmöglichkeit bei negativen Bemessungsgrundlagen auf Seiten des Agenten modelliert wird. Mit dieser Erweiterung wird das Ziel verfolgt, die simultanen Einflüsse einer Steuer- und Informationsasymmetrie auf die finanzielle Anreizsetzung und die Produktivität der Unternehmen aufzuzeigen, wobei auch die optimale Gestaltung eines Anreizvertrages ein wesentliches Untersuchungskriterium darstellt.

Im dritten und letzten Forschungsteil wird das binäre Agency-Modell um eine Real- bzw. Abbruchoption im Kontext einer Investitionsentscheidung erweitert, was es – erstmalig – ermöglicht, die Interdependenzen zwischen Besteuerung und Handlungsflexibilität unter Berücksichtigung eines Agency-Konfliktes zu analysieren. Dieser Maßgabe entsprechend, können die aus der Literatur bekannten Definitionen von Steuereffekten bei Adverse Selection-Problemen auf Second-Best-Settings mit zwei Entscheidungsträgern übertragen und Paradoxien in Hinsicht auf die steuerliche Beeinflussung von Investitionsentscheidungen identifiziert werden.

Das Ergebnis der Untersuchung belegt, dass die steuerlichen Auswirkungen auf variable Entlohnungen, insbesondere aufgrund der globalisierungsbedingten Zunahme von leistungsorientierten Vergütungssystemen, von erheblicher Bedeutung sind und demgemäß vom Gesetzgeber bei Steueränderungen bzw. -reformen entscheidungserhebliche Beachtung finden müssen. Dies gilt umso mehr, als in allen drei untersuchten Konstellationen signikante steuerliche Effekte auf die Anreizsetzung und damit auf die Produktivität oder Investitionsbereitschaft der Unternehmen identifiziert werden konnten.



Informationen über das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten.

nach oben