Doktorarbeit: ‘Sie weinte und fiel in Ohnmacht.‘ Die weibliche Heiligenfigur im Spiegel der Tabaqat-Literatur

‘Sie weinte und fiel in Ohnmacht.‘ Die weibliche Heiligenfigur im Spiegel der Tabaqat-Literatur

Frauen im Islam, Gender, Islamische Hagiografie, Islamwissenschaft, Kopftuch, Mystikerinnen, Rollenmodelle, Sufismus, weibliche islamische Heilige

Zum Inhalt

Kopftuch, Zwangsheirat, Geschlechtersegregation: Reizworte für eine moderne, demokratische Gesellschaft, die in Zusammenhang mit dem Islam immer wieder fallen. Aber was haben sie mit frommen Frauen aus längst vergangenen Zeiten zu tun, die zumeist in vorderasiatischen Wüstenregionen beheimatet waren?

In der Anfangszeit des Islam wurden viele Verse des Koran aufgrund von Situationen offenbart, in denen Frauen eine wichtige Rolle spielten. Vielen dieser frühen Protagonistinnen – Ehefrauen des Propheten und solche, die ihn emotional oder tatkräftig bei seiner Glaubensverkündung und -verbreitung unterstützten – wurde in islamischen Biografie-Sammlungen der Rang von Heiligen zugesprochen. Später waren es vor allem die Asketinnen und Mystikerinnen, die das Interesse der Hagiografen erregten. Rābiʿa al-ʿAdawiyya ist eine der wenigen Frauen muslimischer Provenienz, die als Mystikerin in Ost und West einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Doch gab es eine ganze Reihe von Frauen, die wie sie ihr Leben Gott widmeten, sei es, dass sie sich in extremer Askese übten oder sich durch das Studium der religiösen Wissenschaften den Ruf von Gelehrten erwarben. Diese Frauen wurden von ihrer Umwelt als fromm und heilig wahrgenommen. In der Folge wurden auch ihre Viten von muslimischen (männlichen) Gelehrten in ihre Biografie-Sammlungen aufgenommen Wie nun stellten diese Gelehrten die fromme, heilige Frau dar? Welche Anforderungen mussten Frauen erfüllen, welchen Maßstäben gerecht werden, um zu dieser Elite zu gehören?

Das Buch bringt die Übersetzung einiger bislang unübersetzter mittelalterlicher Texte aus dem Arabischen ins Deutsche. Frauenbiografien, die sich in den hagiografischen Werken dreier muslimischer Autoren finden, werden verglichen, analysiert und interpretiert. Dabei zeigt sich, dass durch die Präsentation und Beschreibung ihrer Lebensgeschichten Rollenmodelle festgelegt wurden, die ihre Prägkraft für weibliches Verhalten und die gesellschaftliche Vorstellung darüber bis in die heutige Zeit nicht eingebüßt haben.



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