Dissertation: Organisationsentwicklung im Krankenhaus im Spannungsfeld von Selbstorganisation und Bürokratismus

Organisationsentwicklung im Krankenhaus im Spannungsfeld von Selbstorganisation und Bürokratismus

SOCIALIA – Studienreihe soziologische Forschungsergebnisse, Band 114

Hamburg 2011, 408 Seiten
ISBN 978-3-8300-5794-9 (Print), ISBN 978-3-339-05794-5 (eBook)

Akteursgruppen (Mikroebene), Bürokratismus, Desillusionierung, Gesundheitswesen (Makroebene), Ideale Organisationsstruktur, Konstruktive, Krankenhaus (Mesoebene), Organisationsentwicklung, Prototypische Fallbeschreibung, Selbstorganisation, Soziologie

Zum Inhalt

Das bundesdeutsche Gesundheitswesen steht vor großen Herausforderungen. Deutlich werden die Spannungsfelder, in denen sich Krankenhäuser heute bewegen. Auf der einen Seite besteht ein enormer Kostendruck. Dieser fordert eine klare ökonomisch wirtschaftliche Ausrichtung der Kliniken. Auf der anderen Seite scheint die Patientenorientierung zu stehen. Der Patient erwartet, dass er mit seinen Gegebenheiten und Bedürfnissen ernst genommen wird, im Mittelpunkt der Behandlung steht und nicht auf die Technik und Dienstleistung reduziert wird.

Die Arbeitswelt im Gesundheitswesen steht vor gravierenden Veränderungen. Berufsbilder lösen sich auf, dauerhafte Beschäftigungen oder auch klar definierte Arbeitszeiten zeigen eine Entgrenzung der Arbeit an sich.

Dies schafft Freiräume zur Selbstorganisation unter Nutzung individueller Potentiale. Der Wachstumsmarkt stößt an die Grenze der sozialen Notwendigkeitsgarantie, dass jede Leistung für jeden Patienten übernommen wird. Dies eröffnet neue Chancen für Lösungsansätze zur Gestaltung des Gesundheitswesens.

Es werden Änderungen der Krankheitslasten erwartet (Anstieg der chronischen Erkrankungen, Multimorbidität u. a.). Die Ausgaben im Gesundheitswesen steigen – seit Einführung der DRGs um ca. 9,1 %.

Krankenhäuser haben sich in ihrer Organisation von ursprünglich auf humane, barmherzige und mildtätige Pflege spezialisierte Einrichtungen zu sich gegeneinander abgrenzenden, technisierten und auch multiprofessionellen Unternehmen für die Dienstleistungserbringung entwickelt.

Hohe Unbeständigkeit der Umfeld- und Rahmenbedingungen und eine deutliche Beschleunigung des Wandels sind zu spüren. Ein zunehmender Kosten- und Leistungsdruck ist wahrnehmbar. In den Krankenhäusern ist zunehmend eine Verbetrieblichung und Ökonomisierung der medizinischen Versorgung erkennbar.

Vermehrt lassen sich im Alltag der Krankenhäuser Interessenkonflikte zwischen den ethischen Forderungen und den Bedingungen der Organisation identifizieren.

Der Arzt dient in seiner Profession in erster Linie der Gesundheit des Menschen. Die Mitarbeiter der Pflege verstehen ihre Aufgabe der Pflege kranker Menschen dem Ursprung nach als Kunst. Der Pflegeansatz bezieht übergreifende Zusammenhänge ein und trägt zur Einbindung vielfältiger Vorgehensweisen bei.

Für die Krankenhausbehandlung muss unterstellt bleiben, dass Medizin den primären Rahmen bildet. Es ist fraglich, ob der Wandel der Organisation plan-, steuer- oder auch beherrschbar ist, wenn sich an bestimmten Management Prinzipien orientiert wird.

Die allgemeingültige Aussage aller Managementmethoden ist das Geben von Orientierung und ist ein Ansporn setzen zur Durchführung neuer Schritte, Maßnahmen und Aktivitäten. Managementmethoden wollen eine Stabilisierung der Organisation bewirken, Entscheidungs- und Handlungssicherheit geben. Eine Stabilisierung rationaler Organisationsstrukturen fällt heute als Hauptmerkmal für die Organisation oftmals weg, da die Märkte und die Umwelt dynamisch sind und sich wandeln.

Unterscheidungsmerkmale der Krankenhäuser untereinander sind die Beziehungen der Organisation zu den eigenen Mitarbeitern und die Beziehungen der Mitarbeiter zu den eigenen Kunden.

Häufige Hinweise auf Einsparpotentiale, Personalknappheit aber auch Undurchsichtige Umstrukturierungen, Reorganisationen oder Reformen sorgen für eine geringe Zufriedenheit. In vielen Kliniken ist eine Eskalation der Auseinandersetzung zwischen wirtschaftlichen und medizinischen Interessen erkennbar.

Langjährig tradierte Formen der Abgrenzung der einzelnen Akteursgruppen sind bis heute aufrechterhalten. Eine Anpassung an übergeordnete Interessen und teilweise auch bestehende Notwendigkeiten der Organisation ist in deutlich geringerem Maße erkennbar. So sind viele statusbezogene Einzelinteressen entstanden, die über Jahre eine relative Unabhängigkeit von der Organisation gepflegt haben.

Es finden sich eine statusgruppen-, aber auch hierarchiebezogene Versäulungen oder ein Nebeneinander oder sogar parallele, teilselbständige Unterorganisationen. Die Versäulung wird sowohl zwischen den einzelnen Akteursgruppen an sich gesehen, ist aber zusätzlich noch in den unterschiedlichen medizinischen Fachbereichen erkennbar.

Die Versäulung führt zu einer deutlichen Inflexibilität und Bewegungsarmut der Organisation Krankenhaus im Zusammenspiel der unterschiedlichen Berufgruppen, aber auch im Hinblick auf eine kreative Reagibilität auf sich wandelnde Umweltanforderungen.

Die Geschäftsführungen sind derzeit primär an einem soliden Betriebsergebnis interessiert und versuchen, Managementtechniken wie Umstrukturierungen durchzudrücken. Dadurch werden in Krankenhäusern derzeit Verbürokratisierungsprozesse merklich gefördert. Eine der wesentlichen zukünftigen Aufgaben der Organisationsentwicklung in den Krankenhäusern stellt die Entsäulung der Statusgruppen dar.



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