Dissertation: Spielarten des postmodernen skandinavischen Kriminalromans

Spielarten des postmodernen skandinavischen Kriminalromans

„Auf-Lösung“ im Fadenkreuz literarischer und kultureller Paradigmen

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 112

Hamburg 2011, 414 Seiten
ISBN 978-3-8300-5730-7 (Print), ISBN 978-3-339-05730-3 (eBook)

Antikriminalroman, Gattungsgeschichte, Gattungstheorie, Henning Mankell, Jan Kjzerstad, Kerstin Ekman, Kriminalroman, Literaturwissenschaft, Michael Larsen, Nordgermanische Philologie, Olof Palme, Peter Hoeg, Postmoderne, Schwedischer Wohlfahrtsstaat, Sjöwall Wahlöö, Skandinavische Identitätskonstruktion, Skandinavische Kriminalliteratur

Zum Inhalt

In den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts greifen etablierte skandinavische AutorInnen Elemente und Strukturen des Kriminalromans auf und gestalten sie zu ihren Zwecken um.

Im Zentrum dieser Abhandlung stehen vier Romane: Kerstin Ekmans Händelser vid vatten (Geschehnisse am Wasser), Peter H?egs Frken Smillas fornemmelse for sne (Fräulein Smillas Gespür für Schnee), Michael Larsens Uden sikker viden (Ohne sicheres Wissen) und Jan Kjrstads Rand (Rand). Die Autorin zeigt, dass die Auflösung der Kriminalfälle in diesen postmodernen und hybriden Kriminalromanen immer mehr an Bedeutung verliert und häufig eher beiläufig, in ambivalenter Form oder überhaupt nicht erfolgt. Die verrätselnden Momente nehmen zu, während die enträtselnden immer weniger werden. Zum formalen Auflösungsprozess trägt auch bei, dass nicht nur mit den Elementen des Kriminalromans, sondern auch mit genretypischen Aspekten des Sciencefiction, Gesellschafts-, Entwicklungs- und Frauenromans, etc. gespielt wird.

Eine „Auf-Lösung“ lässt sich aber nicht nur auf formaler, sondern auch auf inhaltlicher Ebene konstatieren. Kategorien wie Wirklichkeit, Wahrheit, Kausalität, Logik und Identität werden hinterfragt und bleiben als nicht eindeutig zu klärende Größen rätselhaft. Detektiv und Leser können nur Hypothesen aufstellen und Teillösungen finden. Der Schwerpunkt der Romane verlagert sich von der Lösung auf die Suche.

Um diesem skizzierten Phänomen des postmodernen Kriminalromans auf die Spur zu kommen, wird es in dem Werk mehrfach kontextualisiert. Ausgangspunkt ist die These, dass eine literarische Form dann besonders erfolgreich ist, wenn es ihr gelingt, möglichst viele verschiedene und aktuelle künstlerische, ästhetische und kulturelle Interessen und Funktionen zu verbinden, sowie individuelle und kollektive psychologische Bedürfnisse zu befriedigen. Die postmoderne Spielart des Kriminalromans ist multikausal motiviert, was ein Netzwerk an Deutungen erforderlich macht. Deshalb wird ein Fadenkreuz an literarischen und kulturellen Paradigmen entworfen, die für die Entstehung dieser Form von Bedeutung sind. Zunächst werden die allgemeinen Voraussetzungen für die Entwicklung des postmodernen Kriminalromans, insbesondere vor dem Hintergrund der Gattungsgeschichte und -konventionen verfolgt. Daran schließt sich eine Analyse der spezifisch skandinavischen Faktoren an. Dabei wird besonders die von dem schwedischen Autorenpaar Maj Sjöwall und Per Wahllöö begründete Tradition der skandinavischen Kriminalliteratur veranschaulicht, Probleme zur Debatte zu stellen und aktuelle Diskurse zu verhandeln. Weiterhin wird herausgearbeitet, wie stark das nationale schwedische Trauma, der Mord am schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme, das nordische Selbstbild erschüttert hat. Der Fall und die nachfolgenden Ermittlungen wurden zu einem Formmodell für den unaufgelösten Kriminalroman, der zu einer enthüllenden Selbstnarration der Skandinavier geworden ist.



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