Doktorarbeit: Der Gebrauch von Infinitiv und Konjunktiv im Altalbanischen mit Ausblick auf das Rumänische

Der Gebrauch von Infinitiv und Konjunktiv im Altalbanischen mit Ausblick auf das Rumänische

PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 149

Hamburg 2010, 346 Seiten
ISBN 978-3-8300-4572-4 (Print & eBook)

Albanologie, Balkanologie, Gegisch, historische Syntax, Infinitivkonstruktion, Kontrastiver Sprachvergleich, Rumänistik, Sprachwissenschaft

Zum Inhalt

Das Albanische wird in zwei Hauptdialekten gesprochen, Gegisch und Toskisch, die sich durch einige phonetische und morphosyntaktische Merkmale unterscheiden. Unter anderem kennt das Gegische einen aus der Partikel me + Verbaladjektiv zusammengesetzten Infinitiv, während das Toskische keinen Infinitiv hat und stattdessen nur Konjunktiv- und Partizipialkonstruktionen einsetzt.

Die Verfasserin untersucht das Verhältnis von Infinitiv zu Konjunktiv im Altgegischen. Dazu wurden folgende altgegischen Autoren ausgewählt: Gjon Buzuku (Mesbuch1555), der erstbekannte Autor des Gegischen, Pjetër Budi (Dottrina Christiana 1618), der beste Vertreter der gesprochenen Sprache und Pjetër Bogdani (Cuneus Prophetarum 1685), der erste selbstständige Schriftsteller der albanischen Literatur. Dieser bemühte sich in einer Art Koine zu schreiben. In Ergänzung wurden auch einige Autoren und Textsammlungen des 18.-19. Jhs. herangezogen.

Die Studie ist in drei Kapitel eingeteilt. Im ersten werden die Formvarianten und die morphologischen Kategorien des gegischen Infinitivs sowie ihre Entwicklung von 16. – 20. Jh. beschrieben, auch um jenen Sprachforschern zu helfen, die das Albanische nicht gut beherrschen. Das zweite Kapitel vergleicht die Verwendung des Infinitivs und des Konjunktivs in den unabhängigen Sätzen. Das dritte Kapitel untersucht das Verhalten dieser zwei Modi als Bestandteil der futurischen und modalen Verbalkonstruktionen. Parallel dazu werden jedes Mal auch die entsprechenden Konstruktionen im Rumänischen erwähnt als jene Balkansprache, die dem Albanischen am nächsten steht. Am Ende des jeweiligen Kapitels stehen Schlussfolgerungen.

Das untersuchte Material zeigt ein komplexeres Verhältnis zwischen den beiden Modi im Gegischen als man es annimmt. Das Gegische ist das einzige moderne Balkanidiom, das heutzutage einen Gebrauch des unabhängigen Infinitivs im Fragesatz kennt. Im 16. Jh. präsentiert sich jedoch noch ein anderes Bild. Damals wurde im Fragesatz überwiegend der unabhängige Konjunktiv gebraucht. Erst in der Zeit nach Buzuku hat eine Verschiebung in der Verwendung von Infinitiv und Konjunktiv stattgefunden, so dass diese Funktion des Konjunktivs vom Infinitiv übernommen wurde. Dies ist nicht der einzige Fall im dokumentierten Gegischen, in dem der Konjunktiv der Konkurrenz des Infinitivs unterlegen ist. Ein noch extremerer Fall, bei dem eine solche Änderung im Gebrauch stattgefunden hat, ist der Konjunktiv der Zukunftsbedeutung bei Buzuku.

Der Infinitiv konkurriert stark mit dem Konjunktiv auch nach dem Modalverb mund „können, dürfen“. Die Modalgruppe duhet ’müssen, sollen’ + Konjunktiv kommt in den altgegischen Texten sehr selten vor, ebenso wie die Kombination dua ’wollen, mögen’ + Infinitiv. Dadurch unterscheidet sich das Gegische auch in dieser Hinsicht von den anderen Balkansprachen, da hier nach dem Verb ’wollen’ ausnahmslos der Konjunktiv folgt.

Es wurde eine umfangreiche einschlägige Fachliteratur zu diesem Thema verwendet. Die Verfasserin hat auch die jüngsten Veröffentlichungen eingearbeitet, um diese Arbeit auf den aktuellen Stand zu bringen.



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