Dissertation: Selbstkontrolle unter den Bedingungen reflexiver Modernität

Selbstkontrolle unter den Bedingungen reflexiver Modernität

Am Beispiel des Übergewichts

SOCIALIA – Studienreihe soziologische Forschungsergebnisse, Band 102

Hamburg 2009, 344 Seiten
ISBN 978-3-8300-4144-3 (Print & eBook)

Anthony Giddens, Gewichtsideal, Informalisierung, Körpergewicht, Kollektive Identität vs. Individuelle Identität, Norbert Elias, Reflexive Moderne, Schlankheit, Selbstkontrolle, Soziologie, Strukturationstheorie, Zivilisationstheorie

Zum Inhalt

Schlank, dünn, fit, sportlich, Schönheitsoperationen – der Körper des modernen Menschen ist zu einer zentralen Kategorie des privaten und öffentlichen Diskurses geworden. Dem Körper kommt dabei gegenwärtig eine bedeutende Rolle in der Produktion und Aufrechterhaltung der Identität zu. Zugleich erfolgt ein Abgleich der eigenen Identität mit gesellschaftlichen Vorstellungen an der Achse des Körpers.

Das Wissen um den Körper, um seine Ernährung und die Möglichkeiten seiner Formung, hat sich vervielfacht. Aber wie in so vielen Bereichen des Lebens stehen diesen Optionen zugleich Zwänge gegenüber: Die Eigenverantwortung für den Umgang mit dem Körper steigt – bei zugleich weniger Orientierungshilfen.

Um diese aktuellen Entwicklungen aus soziologischer Sicht besser zu verstehen und einordnen zu können lautet die zentrale Fragestellung dieses Buches: Wie können die in den letzten Jahrzehnten beobachtbaren Wandlungen im Umgang mit der Gewichtskontrolle und die heute praktizierten Anstrengungen und hohe Wertigkeit des Körpergewichts erklärt werden?

Die Beantwortung dieser Frage nach der Einordnung der gesellschaftlichen und individuellen Entwicklungen bezüglich des Körpergewichts und dessen Kontrolle erfolgt auf der Basis der Zivilisationstheorie von Norbert Elias, der Informalisierungsthese und den Überlegungen von Anthony Giddens zur Hochmoderne. Diese theoretischen Modelle bilden das Analyseraster für die Beschäftigung mit den konkreten Feldern, die im Zusammenhang mit der Kontrolle und Wertigkeit des Körpergewichts diskutiert werden, wie z.B. die Rolle der Wirtschaft, der Einfluss der Medien und der Zusammenhang mit der Leistungsethik. Und auch ein anderes interessantes Phänomen unsere Zeit – die „eingebildeten Dicken“ – schlanke Menschen, die mit ihren vermeintlich überflüssigen Pfunden kämpfen und deshalb in ihren Körper viel Zeit, Geld und Arbeit investieren, kommt zur Sprache.



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