Dissertation: Topografien der Apokalypse

Topografien der Apokalypse

Rom in Wolfgang Koeppens „Der Tod in Rom“, Rolf Dieter Brinkmanns „Rom, Blicke“ und Federico Fellinis „Roma“

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 93

Hamburg , 242 Seiten

ISBN 978-3-8300-2947-2 (Print)
ISBN 978-3-339-02947-8 (eBook)

Zum Inhalt

„Riesenkaff“, „Vorhölle“, „kaputt mundi“ - so charakterisieren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Schriftsteller und Filmemacher unterschiedlichster Couleur - darunter z. B. Rolf Dieter Brinkmann, Christian Friedrich Delius, Federico Fellini, Wolfgang Koeppen, Carlo Levi, Alberto Moravia, Pier Paolo Pasolini und Josef Winkler - die Ewige Stadt Rom. In Essays, Romanen, Tagebüchern und Filmen stellen sie diese vielfach als eine im Untergang begriffene Welt dar. Von dem, was ihr einst den Ruf als Arkadien eingebracht hat, ist demnach nur noch wenig auffindbar. Die Ewigkeit der abendländischen Metropole Rom scheint in dieser Perspektive endlich zu sein.

Welche Ursachen liegen diesem endzeitlichen Blick auf die italienische Kapitale zugrunde? Welche Konvergenzen und Differenzen weisen die zahlreichen römischen Topografien aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf? Und wie sind Verfall und Untergang in den verschiedenen künstlerischen Gattungen und Darstellungsformen inszeniert?

Diese Fragen zu beantworten, ist Ziel und Anliegen von Andreas-Michael Kuhn. Stellvertretend für die zahlreichen kritischen Stimmen hat der Autor drei Werke herangezogen: den Roman „Der Tod in Rom“ von Wolfgang Koeppen, die Text-Bild-Collage „Rom, Blicke“ von Rolf Dieter Brinkmann und das filmische Stadtporträt „Roma“ von Federico Fellini. Anhand dieser Auswahl schafft er ein aussagekräftiges Paradigma, das verschiedene Gattungen bzw. Medien sowie Künstler unterschiedlicher Generationen und Herkunft vereint. Bei den Rom-Darstellungen handelt es sich um Apokalypsen im modernen Sinne des Wortes. In der Analyse der einzelnen apokalyptischen Rom-Diskurse Koeppens, Brinkmanns und Fellinis setzt er den Fokus auf die untrennbar mit dem Image Roms verbundenen Aspekte Geschichte, Kunst, Zivilisation und Religion bzw. Kirche. Er schafft somit Vergleichspunkte und legt die unterschiedlichen Motive, Momente und Motivationen des römischen Untergangs offen. Die Apokalypse zeigt sich dabei in vielerlei Gestalt - von der künstlerischen Erstarrung in überkommenen antiken Kunstformen über unwirtliche und verschmutzte Wohnquartiere im semicentro bis hin zum Inferno des hoffnungslos überlasteten römischen Straßenverkehrs. Darüber hinaus hat der Autor auch die einzelnen Gattungen Roman, Text-Bild-Collage und Film im Blick und unterscheidet zwischen allegorischer, mimetischer und virtueller Konstitution der Großstadt Rom im ästhetischen Werk.

Die Forschung hat kritische und pessimistische Topografien Roms von deutschen, aber auch italienischen Künstlern bislang meist nur isoliert gewürdigt. Eine systematisch vergleichende und paradigmatische Erschließung liegt jetzt in Form der Ausführungen Andreas-Michael Kuhns vor.

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