Dissertation: Die Organknappheit im Spannungsverhältnis zwischen Sozialpflicht und Selbstbestimmung

Die Organknappheit im Spannungsverhältnis zwischen Sozialpflicht und Selbstbestimmung

Eine rechtliche Analyse des Spender-Empfänger-Verhältnisses

Medizinrecht in Forschung und Praxis, Band 4

Hamburg , 272 Seiten

ISBN 978-3-8300-2333-3 (Print)
ISBN 978-3-339-02333-9 (eBook)

Zum Inhalt

Trotz der erfolgreichen medizinischen Entwicklung im Bereich des Transplantationswesens besteht noch immer eine deutliche Diskrepanz zwischen Organbedarf und verfügbaren Organen. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation übersteigt die Anzahl der für eine Transplantation neu angemeldeten Patienten bei allen Organen die Anzahl der durchgeführten Transplantationen. Aus diesem Grund existieren mittlerweile für alle Organe Wartelisten, deren Abbau angesichts der niedrigen Transplantationsraten aussichtslos erscheint.

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich Sophia Wille mit der Frage, inwieweit die rechtliche Regelung des Spender-Empfänger-Verhältnisses für die Mangelsituation zumindest mitursächlich ist. Es werden Vorschläge erarbeitet, wie der Gesetzgeber das Spender-Empfänger-Verhältnis gestalten könnte, um die Organknappheit langfristig abzubauen.

Dabei liegt es zunächst angesichts der Transplantationssituation in Staaten, die über praktische Erfahrung mit der so genannten Widerspruchslösung verfügen, nahe, dieses Modell auch in Deutschland im Bereich der Leichenorgangewinnung einzuführen. Darüber hinaus kommen aber auch weitergehende gesetzgeberische Maßnahmen in Betracht, sofern die Widerspruchslösung die Organknappheit nicht wirksam zu beheben vermag. Hierzu gehört insbesondere die Normierung einer Sozialpflicht zur postmortalen Organspende.

Dagegen hängt die Gestaltung des Spender-Empfänger-Verhältnisses im Bereich der Lebendorgangewinnung entscheidend davon ab, welches Leichenorganaufkommen sich durch einen solchen Systemwechsel generieren lässt. Ausschließlich als „nachrangige Lösung“ ist hier an die Setzung eines kontrollierten finanziellen Anreizes zu denken.

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