Dissertation: Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Europa

Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Europa

Auswirkungen beruflicher und familiärer Stressoren und Ressourcen in Doppelverdienerhaushalten mit jungen Kindern auf die Konfliktübertragung zwischen Familie und Beruf sowie die individuelle Symptombelastung

Studien zur Familienforschung, Band 16

Hamburg , 324 Seiten

ISBN 978-3-8300-2252-7 (Print)
ISBN 978-3-339-02252-3 (eBook)

Rezension

[...] Im Hauptteil der Arbeit werden von der Autorin die Ergebnisse einer umfangreichen Studie vorgestellt, nämlich die Daten aus dem EU-Projekt „Family Life and Professional Work - Conflict and Synergy“, das in den Jahren 2003 bis 2005 durchgeführt worden ist, und zwar europaweit. [...]
Die besondere Leistung der Arbeit besteht darin, die Theorie von Voydanoff und ihr an das ökologische Systemmodell von Bronfenbrenner angelehntes Rahmenmodell als Interpretationsfolie für die empirischen Daten herangezogen zu haben, um die genannten Desiderate zu füllen. Insofern hat sie ihr selbst gestetztes Ziel erreicht: „theoretische Rahmenmodelle herauszuarbeiten, in die sich bereits vorhandene Einzelbefunde integrieren lassen“ [...]
De processibus matrimonialibus, DPM 13/2006

Zum Inhalt

„People are border-crossers who
make daily transitions between two worlds
– the world of work and the world of family.“

(Campbell Clark, 2000, S. 748)

In den heutigen Industrienationen sind viele Männer und Frauen Grenzgänger zwischen den beiden Welten Beruf und Familie: Sie versuchen mehr oder weniger erfolgreich, diese beiden Lebensbereiche unter einen Hut zu bringen. Welche psychologischen Faktoren in der Vereinbarkeit der beiden Rollen von Familie und Beruf wichtig sind, soll mit Hilfe dieser empirischen Studie weiter aufgedeckt werden. Es geht im Wesentlichen um die Klärung der Rolle verschiedener beruflicher und familiärerer Stressoren und Ressourcen in Bezug auf ihre Auswirkungen auf die Konfliktübertragung zwischen der Familien- und Berufsrolle sowie auf die individuelle Symptombelastung beider Partner.

Ausgehend von einer Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstandes zur Work-Family Balance und den daraus erwachsenen Desiderata, wurden die Fragestellungen dieser Dissertation entwickelt. Sie konnten im Rahmen einer vielschichtigen Stichprobe von 1802 Doppelverdienerpaaren mit Vorschulkindern aus neun Europäischen Nationen überprüft werden.

In den Analysen von Mittelwertsunterschieden in den Stressoren-Ressourcen Profilen und den untersuchten Ergebnisvariablen ergaben sich je nach Geschlecht, Kultur oder Persönlichkeitstyp unterschiedliche Faktoren, in denen bedeutsame Differenzen bestanden. Neben den unterschiedlichen Ausprägungen aller Variablen, interessierte aber vor allem die Wichtigkeit der Stressoren/Ressourcen in der Vorhersage der Kriterien Symptombelastung, Work-to-Family und Family-to-Work Konflikt mittels Linearer Strukturgleichungsmodelle. Dabei wurde im Wesentlichen auf solche Faktoren fokussiert, die in allen Vergleichsebenen bedeutsam für eines der drei Kriterien waren. So ergaben sich globale Prädiktoren, die alle Kriterien beeinflussten und solche, die spezifischer wirkten. Die Hypothese, dass die beruflichen Faktoren generell eine höhere Varianzaufklärung in Work-to-Family Konflikt leisten und familiäre Faktoren in Family-to-Work Konflikt (bereichsinterne Spillover-Effekte) wurde bestätigt, ebenso die Annahme, dass Stressoren jeweils einen größeren Teil der Varianz der Rollenkonflikte aufklären können als Ressourcen. Der Effekt der Stressoren/Ressourcen auf die Symptombelastung wird durch die Rollenkonflikte vermittelt (Mediator-Effekte). Neben den Auswirkungen auf individueller Ebene, wurde auch die Paar-Ebene betrachtet (Crossover-Effekte): Es zeigte sich, dass für die Männer ausschließlich die Angaben der familiären Stressoren ihrer Partnerinnen einen Einfluss auf die berichteten Rollenkonflikte besitzen. Demgegenüber werden diese bei den Frauen sowohl vom Ausmaß der beruflichen als auch der familiären Belastungen ihrer Partner beeinflusst.

Aus den Ergebnissen konnten zum einen neue Ideen für zukünftige Forschungsarbeiten generiert und zum anderen wichtige anwendungsrelevante Schlüsse gezogen werden. Der letzte Aspekt ist gerade in einem in der Praxis so relevantem Thema wichtig und kann dazu beitragen, die gegenseitigen Synergieeffekte der beiden Lebensbereiche Familie und Beruf zu optimieren.

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