Dissertation:

"Hispanisierung" in Neu-Spanien 1519-1568

In drei Bänden

Studien zur Geschichts­forschung der Neuzeit, Band 45

Hamburg 2005, 874 Seiten
ISBN 978-3-8300-2070-7

Rezensionen

[...] Lange Zeit hindurch war die neu-spanische Geschichte des 16. Jahrhunderts mehr durch Mythen als durch Gewissheiten geprägt. Felix Hinz vermag alle in einen neuen, erweiterten Kontext zu stellen und sie zum Teil in ihrer Widersprüchlichkeit zu entlarven. Dazu gehört der Mythos von den weißen Göttern, demzufolge die mexikanische Führungselite an die Rückkehr des Gottes Quetzalcóatl just in dem Jahr (1 Schilfrohr bzw. 1519) glaubte, als Cortés an der Küste landete. [...] Felix Hinz unterscheidet nicht nur zwischen "Spaniern" und "Indianern", sondern zwischen den verschiedenen Ordensangehörigen, Weltgeistlichen, Konquistadoren verschiedener Couleur auf der einen Seite und Tlaxcalteken, Mexika (hierbei noch Tlatelolcas und Tenochcas) und andere Gruppen auf der anderen, die er jeweils in ihrem sozialen Status ("macehualtin", "pipiltin", "tlatoani") differenziert. Derart die Komplexität des Kulturkontakts würdigend, gelingt ihm eine glaubwürdige Revision des Mythos der weißen Götter. Mangels einer besseren Bezeichnung habe man "teules" oder "teuctli" zu den Fremden gesagt, doch man war weit davon entfernt, sie für Götter vom Schlage eines Quetzalcóatl zu halten. Sehr schnell erkannte man ihre menschlichen Schwächen der Käuflichkeit und Frauenliebe, ihre Angreifbarkeit bei Nacht und die verwundbaren Stellen ihrer Pferde. [...] Nirgends ist so ausführlich auf die literarische Folie des Jüdischen Krieges von Flavius Josephus verwiesen worden wie in Hinz' Studie. [...]

Zeitschrift für Historische Forschung, 4/2007

Mit der breit angelegten Thematik seiner 2004 in Köln angenommenen Dissertation stellte sich Felix Hinz eine große Aufgabe. Der Titel steckt einerseits den zeitlichen Rahmen ab und verweist andererseits auf die zentrale Fragestellung des Buches, nämlich inwiefern die Hispanisierungspolitik der spanischen Krone in der intendierten Form realisiert werden konnte. [...] Zusammenfassend betrachtet bietet die Dissertation von Felix Hinz eine Fülle von Informationen zu zahlreichen Einzelproblemen, die mit der größeren Thematik der Conquista Mexikos verbunden sind. Wenngleich man in mehreren Fragen zu anderen Schlussfolgerungen kommen mag, gelingt es Felix Hinz doch deutlich herauszuarbeiten, wie es allmählich zur Transformation der kollektiven Identitäten von Mexica und Tlaxcalteken kam, warum dabei aber nur teilweise eine Hispanisierung stattfand.

H-Soz-u-Kult, 11.04.2008

[...] Felix Hinz' Untersuchung beleuchtet die Conquista jenseits der breit ausgetretenen Pfade der Ereignisgeschichte und über diesen Umweg gelingt es ihm, gängige Topoi ins Reich der Mythen und Legenden zu verweisen. Wenn im Einklang mit den neuesten Forschungen die Eroberung Mexicos als Ergebnis der geschickten Nutzung der Auseinandersetzung verschiedener Nahua-Völker untereinander interpretiert wird, ist die Frage nach dem "Hispanisierungsprogramm" für das Verständnis von Herrschaftssicherung von großem Interesse. Das Fazit, daß die Hispanisierung nur partiell gelang, vor allem weil sie auch von spanischer Seite nur oberflächlich gewünscht wurde, fördert die Erkenntnis vom Wandel kultureller Identität für Gruppen, die großen äußeren Umbrüchen unterworfen werden. [...]

Jahrbuch für Europäische Überseegeschichte, 7/2007


Altmexikanistik, Azteken, Conquista, Geschichtswissenschaft, Hispanoamerika, Historiographie, Kulturwandel, Mission

Zum Inhalt

deutsch | español

Das Projekt einer zusammenfassenden Analyse der Transformationsprozesse im Mexiko des 16. Jahrhunderts lag wegen der zeitgenössischen und heutigen Bedeutung des Themas eigentlich auf der Hand, wurde aber in dieser Form von Historikern bisher nur zögerlich aufgenommen.

Stellte die Conquista Mexikos tatsächlich einen radikalen Bruch in der Lebenswelt der Nahuas dar, oder entspricht diese Interpretation heutigem Unverständnis hinsichtlich der damaligen Transformationsprozesse? - Es mangelte bisher an einer historischen Untersuchung, die den zeitlichen Rahmen so wählt, daß der Veränderungsprozeß unter Berücksichtigung des Vorher und Nachher erkennbar wird, die das heutige Wissen über die Nahuakulturen auch auf die Geschichte der Conquista anwendet, die das Reziproke des folgenden Wandels kollektiver Identitäten aufzeigt und versucht, diesen Prozess mit Hilfe von geeigneten Theorieansätzen und Begriffen zu systematisieren. Die tatsächliche Bedeutung der Eroberung Mexikos durch Hernán Cortés wird erst im breiten historischen Kontext deutlich.

Eine umfassende, systematische Studie setzt Akzente am geschichtlichen Scheideweg zu einer neuen Welt und einem neuen Denken.

Der Autor stellt ein ausführliches Exposé mit Kapitel-Übersicht bereit unter http://www.motecuhzoma.de



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