Forschungsarbeit: Christo-Logik der Geschichte bei Hans Urs von Balthasar

Christo-Logik der Geschichte bei Hans Urs von Balthasar

Zur Systematik und Aktualität seiner frühen Schrift "Theologie der Geschichte"

Rezension

Eine wunderbare Einführung in das theologische Denken Hans Urs von Balthasars! Stefan Hartmann, Pfarrer im Erzbistum Bamberg, ist international bekannt als theologisch hochkarätiger Verfasser beachtenswerter Aufsätze und engagierter Leserbriefe. Seine kürzlich erschienene Lizentiatsarbeit (Eichstätt) hat Umfang und Qualität einer Habilitationsschrift [...].
Hartmann gehört, das läßt jede Seite erkennen, zu den umfassend gebildeten Systematikern, für die Theologiegeschichte nicht erst mit Karl Barth beginnt, und genauso wie das Werk Balthasars beherrscht er auch das Werk Guardinis, Rahners und Ratzingers samt allen älteren und jüngeren Jesuiten, die für das Thema wichtig sein könnten. Die Darstellung ist unpolemisch und so, daß man, weil der Blick auf das jeweils Wesentliche gerichtet ist, das Interesse am Thema am Kochen halten kann. So gelingt Hartmann die Darstellung "des Ganzen im Fragment". [...]
Der Leser dieses Buches wird tief hineingeführt in das systematische Denken eines großen Theologen. Daß es durch Stefan Hartmann geschieht, bedeutet: Ein treuer, sehr aufmerksamer Schüler führt ein in das Gedankengebäude seines Lehrers. Möge Stefan Hartmann noch weiter durch viele substantielle Publikationen die gegenwärtige Systematik in der Zeit ihrer Dürre reich befruchten! Dieser Wunsch richtet sich an die konkrete Adresse Hartmanns selbst genauso wie an die, die seinen weiteren Weg fördern könnten und zu bestimmen haben. Wir haben nur ganz wenige von dieser profunditas.

Die Neue Ordnung, 61. Jahrgang Heft 5, Oktober 2007


Adrienne von Speyr, Apokalypse, Auferstehung, Geschichtsphilosophie, Geschichtstheologie, Gnosis, Hans Urs von Balthasar, Katholische Theologie, Psychologie

Zum Inhalt

Der Schweizer Autor und Verleger Hans Urs von Balthasar (1905-1988) gilt international als einer der führenden christlichen Theologen des 20. Jahrhunderts. Prägend für seine Biographie und sein Denken war die Begegnung mit der Baseler Ärztin Adrienne (Kaegi-) von Speyr (1902-1967), in deren Folge er aus dem Jesuitenorden austrat und eine kirchlich anerkannte "Weltgemeinschaft" gründete, die die Radikalität der evangelischen Räte in weltlichen Berufen darstellen will. Sein umfassendes schriftstellerisches Werk ist in seiner Pluralität kaum auf einen einheitlichen Begriff zu bringen. Über die hier vorgestellte und erstmals 1950, dann in einer neuen Fassung 1959 veröffentlichte Schrift "Theologie der Geschichte" meinte sein Verwandter Peter Henrici SJ (Zürich/Rom), dass sie "einen frühen Herzpunkt der Theologie Balthasars (bildet), in den die aus eigenen Studien herkommenden Ströme und die Anregungen Adriennes zusammenlaufen".

Nach einer Schilderung der bisherigen Balthasar-Rezeption (vor allem im deutschen Sprachraum) soll mit der Darstellung der nie widerrufenen Systematik dieser Frühschrift der später etwa von Karl Rahner und Herbert Vorgrimler erhobene Gnosis-Verdacht gegenüber der Geschichtstheologie und besonders der "Theodramatik" Balthasars widerlegt werden. Gleichzeitig kann so ein neuer und unverstellter Zugang zum im Dialog mit dem reformierten Baseler Theologen Karl Barth entwickelten christozentrischen Grundzug seiner Theologie aufgezeigt werden. Der geschichtliche Christus, der als Sohn des ewigen Vaters "gefüllte" Zeit erst begründet und die Schöpfung mit der Heilsgeschichte in der Einmaligkeit einer "konkreten Analogia entis" in sich integriert, ist dann als "concretum universale" auch der einzige Weg zum Mysterium der göttlichen Trinität. Damit wird eine "gnostische" Spekulation oder gar Esoterik über innergöttliche Ereignisse, von denen sich für Balthasar und von Speyr allein im Heiligen Geist worthaft ("theologisch") oder charismatisch ("mystisch") reden lässt, zurückgewiesen. "Christo-Logik" heißt dann (wie der Dogmengeschichtler Alois Grillmeier bemerkte), dass für Balthasar "Theologie der Geschichte" immer als "Christologie der Geschichte" zu verstehen ist. In ihr bildet die lukanische Zeit der vierzig Tage des Auferstandenen den Quellgrund der geschichtlichen Auswirkung des Christus-Geschehens in Kirche und Welt.



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