Doktorarbeit: Hermann Hesses Beziehung zur Tiefenpsychologie

Hermann Hesses Beziehung zur Tiefenpsychologie

Traumliterarische Projekte

Studien zur Germanistik, Band 4

Hamburg 2003, 312 Seiten
ISBN 978-3-8300-1171-2

Germanistik, Hermann Hesse, Literaturwissenschaft, Tiefenpsychologie, Traumliteratur, Traumsymbol

Zum Inhalt

Beate Petra Kory untersucht die Beziehungen Hermann Hesses zur Tiefenpsychologie Freudscher und Jungscher Prägung am Beispiel des Traumes. Demzufolge ist die Arbeit in einem Grenzgebiet zwischen Literatur und Psychologie angesiedelt. Adäquat für die Untersuchung dieses Grenzgebietes erweist sich eine interdisziplinäre Methode, die sowohl die Freudschen und Jungschen Traumtheorien als auch vor allem ihre literarische Verarbeitungsweise berücksichtigt.

Die Autorin untersucht die Funktionen des Traumes im Prosawerk Hesses vor der Begegnung mit der Tiefenpsychologie, unter dem unmittelbaren Einfluss der Tiefenpsychologie und im Alterswerk. Diese drei verschiedenen Etappen in der Verwendungsweise des Traumes sieht Kory als getreuen Spiegel von Hesses sich im Laufe der Zeit wandelnder Einstellung zur Tiefenpsychologie. Hesses lebenslängliche Faszination vom Phänomen des Traumes erklärt, weshalb der Schriftsteller trotz Enttäuschungen seitens seiner Analytiker sein Interesse an den Erkenntnissen der Tiefenpsychologie auch noch im Alter beibehalten hat.

Das Neue an der Methode der Dissertation ist das gleichzeitige Betrachten der literarischen wie auch der tiefenpsychologischen Traumfunktion. Diese Zusammenschau ermöglicht es, die Wechselbeziehungen zwischen den beiden Traumfunktionen aufzuzeigen und damit zu beweisen, dass Hesse nicht unreflektiert tiefenpsychologische Elemente in sein Werk übernimmt, sondern wesentlich um die Erweiterung der literarischen Verwendungsweisen des Traumes bemüht ist.

Im Unterschied zu anderen Arbeiten, die das Werk Hesses aus tiefenpsychologischer Perspektive analysieren und nur Werke heranziehen, die nach 1916 - der ersten Begegnung Hesses mit der praktischen Psychoanalyse - entstanden sind, wendet sich diese Arbeit auch dem Frühwerk des Schriftstellers zu. Die Auseinandersetzung mit dem Frühwerk aus tiefenpsychologischer Perspektive ermöglicht es Beate Petra Kory festzustellen, dass sich schon in den Träumen, die Hesse in seine Werke vor 1916 einfügt, tiefenpsychologische Ansätze finden lassen. Diese sind der besonderen psychologischen Intuition des Schriftstellers zu verdanken. Die Werke des Autors können demnach nicht zu bloßen Musterbeispielen der tiefenpsychologischen Theorien degradiert werden. Die Arbeit hebt mehr als andere Arbeiten zuvor die Originalität Hesses im Umgang mit dem Traum hervor. Besondere Aufmerksamkeit schenkt die Autorin dem Traum in Hesses Spätwerk, da die Rolle des Traumes in dieser Schaffensphase in der Sekundärliteratur unterschätzt wurde.

Beate Petra Kory kann so auch Hesses Traumpoetologie verdeutlichen, indem sie einerseits die Art und Weise aufzeigt, wie Hesse die Träume, die er selbst geträumt hat, in literarische umwandelt und andererseits auf die Unterschiede zwischen den autobiographischen und den literarischen Träumen hinweist.



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