Doktorarbeit: Prinz Heinrich von Preußen 1726-1802

Prinz Heinrich von Preußen 1726-1802

Die Entwicklung zur politischen und militärischen Führungspersönlichkeit (1726-1763)

Studien zur Geschichtsforschung der Neuzeit, Band 27

Hamburg 2002, 570 Seiten
ISBN 978-3-8300-0697-8 (Print)

Rezension

Dank einer guten Einführung in die wesentlichen Problemfelder - das System des preußischen Absolutismus und die Stellung eines "Prinzen von Geblüt" - wie auch der abschließenden Betrachtung, in der die gewonnenen Erkenntnisse zusammenfließen und eine differenzierte Bewertung erfahren, gelingt eine abgerundete Präsentation der Stofffülle.

Karoline Zielosko, Krefeld, in:
sehepunkte.de, Ausgabe 3 (2003), Nr. 5

Absolutismus, Aufklärung, Friedrich der Große, Geschichtswissenschaft, Hohenzollern, Neuere Geschichte, Preußische Geschichte, Siebenjähriger Krieg

Zum Inhalt

Prinz Heinrich von Preußen (1726 - 1802) war eine der herausragendsten Gestalten preußischer und europäischer Geschichte des 18. Jahrhunderts, des Zeitalters der Aufklärung. Als nachgeborener „Prinz von Geblüt“ aufgrund der geltenden Erbfolgeregelungen nie zur direkten Ausübung von Herrschaft bestimmt, gelang es dem kongenialen jüngeren Bruder Friedrichs des Großen aber, durch persönliches Geschick und ungewöhnliche Fähigkeiten einen eigenständigen Platz auf der Bühne des „ancien régime“ zu erlangen.

Die vorliegende Arbeit versucht, den Lebensweg Heinrichs bis zur ersten größeren Zäsur seines Lebens, dem Ende des Siebenjährigen Krieges, anschaulich und in allen Facetten zu schildern. Dabei wird besonderer Wert auf den Prozeß der Rollenbestimmung Heinrichs im Gefüge des preußischen Absolutismus sowie auf den seiner kulturelle Verortung in der Welt der französischen Aufklärung gelegt. Außerdem wird untersucht, wie ein zunächst nicht zum inneren Kreis der Entscheidungsträger gehörender Prinz Kenntnisse von politischem Geschehen erhalten hat und wie sich sein politisches Weltbild formte. Nicht zuletzt erfährt Heinrichs Rolle als Kommandeur der schließlich neben der Friedrichs des Großen größten preußischen Streitmacht im Siebenjährigen Kriege (1756 - 1763) eine umfassende neuere Würdigung.

Besonderes faszinierend ist es dabei, zu sehen, wie Heinrich die Spannungen aushielt, die sich aus seiner Rolle, aber auch aus der Tatsache ergaben, daß er in vielen Bereichen dem regierenden König konträre Ansichten und Konzepte vertrat und sich nicht damit begnügen wollte, lediglich Beobachter oder stiller Kritiker der Politik Friedrichs des Großen zu sein, und wie er damit umging. Dadurch wird auch ein Beitrag zur Geschichte des „anderen Preußen“ geleistet.

Die Arbeit ist die Frucht intensiver archivalischer Studien und bewußt sehr quellennah gehalten. Erstmals wurde auch der bislang doch arg vernachlässigte umfangreiche Briefwechsel Heinrichs mit seinem jüngsten Bruder Prinz Ferdinand sowie die bis 1763 entstandenen frühen politischen Denkschriften systematisch analysiert.

Somit wird ein wichtiger Beitrag zum Verständnis deutscher und europäischer Geschichte des 18. Jahrhunderts aus nunmehr veränderter Perspektive geleistet. Darüber hinaus werden aber auch Einblicke in das Innenleben des friderizianischen Preußen gewährt, die die Vorstellung vom monolithischen Block des preußischen Absolutismus doch erheblich korrigieren und relativieren sollten.



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