Doktorarbeit: Raumbeschreibung und Raumstruktur

Raumbeschreibung und Raumstruktur

Der Einfluss der Erwerbsreihenfolge auf die sprachliche Linearisierung

Studienreihe psychologische Forschungsergebnisse, Band 72

Hamburg 2000, 305 Seiten
ISBN 978-3-8300-0293-2 (Print)

Genesestrategie, Kognition, kognitive Ordnung, Psychologie, Raumbeschreibung, Raumstruktur, sprachliche Linearisierung, Sprachpsychologie

Zum Inhalt

Thema der vorliegenden Arbeit sind Strategien bei der Raumbeschreibung. Beim Sprechen stellt sich allgemein das sogenannte Linearisierungsproblem, d.h. die Wörter müssen in eine bestimmte (u.a. grammatikalisch richtige) Reihenfolge gebracht, also linearisiert, werden. Dieses Problem stellt sich in besonderer Weise beim Sprechen über Raumkonstellationen, da hier das dreidimensionale Nebeneinander der Dinge im Raum in ein eindimensionales Nacheinander beim Sprechen gebracht werden muss. Man kann eben immer nur ein Wort nach dem anderen sagen und ist gezwungen, zu entscheiden, wo man beginnt und wie man fortfährt. Dabei gibt es viele mögliche Linearisierungsfolgen. Eine Einschränkung für die Wahl einer bestimmten Linearisierungsfolge ergibt sich daraus, dass das Gesagte im Gedächtnis behalten werden muss. Um das zu erleichtern, werden bestimmte Strategien zur Beschreibung eingesetzt. Die Wahl einer bestimmten Strategie hängt von verschiedenen Voraussetzungen ab, wie etwa der Art der zu beschreibenden Raumanordnung.

Zur Beschreibung eines einzelnen Zimmers werden z.B. mit hoher Wahrscheinlichkeit andere Strategien eingesetzt als zur Beschreibung einer ganzen Stadt. Eine Strategie, die bei der Beschreibung von Städten oft eingesetzt wird, ist die sog. Genesestrategie, die sich darin ausdrückt, dass man eine Raumkonstellation in der Reihenfolge beschreibt, in der man sie kennen gelernt hat. In sechs Experimenten wurde untersucht, unter welchen Bedingungen die Raumbeschreibung der Wissensgenese folgt. Dabei wurde eine neue Untersuchungsmethode eingesetzt, die zunächst mit einem Methodentest überprüft wurde.

Die Befunde sprechen dafür, dass der Schwierigkeitsgrad des Weges, auf dem die Raumkonstellation kennen gelernt wurde, die Beschreibung beeinflusst: Ist der Weg zu kompliziert, wird die Erwerbsreihenfolge nicht mehr signifikant häufiger als Beschreibungsstrategie genutzt. In diesem Fall werden eher andere kognitive Ordnungsprinzipien für die Beschreibung verwendet. Die Experimente weisen darauf hin, dass die Linearisierung eher von wahrnehmungsbasierten als von bedeutungsbasierten Ordnungskriterien beeinflusst wird.



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