Doktorarbeit: Berufsbildungstheorie unter dem Eindruck soziotechnologischen Wandels

Berufsbildungstheorie unter dem Eindruck soziotechnologischen Wandels

EUB. Erziehung – Unterricht – Bildung, Band 82

Hamburg , 384 Seiten

ISBN 978-3-8300-0168-3 (Print)

Zum Inhalt

Grundlegender Gedanke dieser historisch-systematischen Untersuchung ist, dass die in der Literatur vorgetragene Kritik der klassischen Berufsbildungstheorie (v.a. Kerschensteiners) deren historische Bedeutung nicht angemessen zu deuten scheint. Die bewusste Anerkennung der Funktion der klassischen Berufsbildungstheorie als Versuch einer abschließenden Konsolidierung der von Pestalozzi für die Industriegesellschaft entwickelten Berufsbildungstheorie ebnet den Weg für eine alternative Interpretation der gesamten Entwicklunglinie und öffnet den Blick dafür, dass nur wenige Konzeptionen des 20. Jahrhunderts Anspruch auf Modernität erheben können: z.B. die mit den Motiven der sich formierenden Informationsgesellschaft operierende Theorie Heinrich Weinstocks.

Mit dem beschleunigten Vordringen der neuen Informations- und Kommunikationstechnologie wird auch das letzte Residuum personaler Subjektivität maschinisiert und damit das traditionelle instrumentelle Verständnis von Technik hinfällig. Von der Marginalisierung der Arbeit wird auch die Funktion der Bildung betroffen. Die Gestaltungskraft geht über auf die Technik. Ein weiteres Problem ist die Ausgliederung des Menschen aus seiner eigenen Arbeit im Laufe des Vordringens der automativen Produktionsweise. Bildungstheorie und Sozialprozess treten in ein neues, äußerst schwieriges Verhältnis ein. Bildungstheorien im Umfeld dieser Prozesse müssen grundlegend neu bewertet werden.

In diesem Sinn versteht sich Christian Mayers Untersuchung zur Berufsbildungstheorie. Die Arbeit basiert auf dem Versuch, eine sozialgeschichtliche Perspektive mit einer ideengeschichtlichen zu verbinden. Anzuerkennen ist demnach die Zeitgebundenheit der pädagogischen Idee, hier der Berufsbildungsidee, aber auch die retroaktive Wirkkraft derselben. Geht es darum, pädagogische Idee und Theorie angemessen zu deuten, so muss die Selbstbeschreibung der Akteure dieser Ideen und Theorien in Konnex gebracht werden mit den sozialen Fundamenten und ihren ideenmodulierenden Effekten. Ein Verständnis der Berufsbildungsidee entsteht nur durch Ein- und Anbindung ihrer Theorie an gesellschaftliche Prozesse, wobei gerade im Fall der Berufsbildung soziotechnologische Prozesse eine primäre Rolle spielen.

Ziel der Arbeit ist die Entwicklung eines alternativen Interpretationsmodells der Berufsbildungstheorie und ihrer historischen Linie über den Rekurs auf berufsbildungstheoretische Grundmotive und über die Einarbeitung historischer soziologischer und technologischer Grundprobleme, die in der kritischen Bewertung bisher oft nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Es entsteht so ein vorläufiger Entwurf eines modifizierten Verständnisses der klassischen Berufsbildungstheorie, der einen intensiven Rückgang auf Pestalozzi nahe legt und gleichzeitig die Prospektive auf pädagogische Fortentwicklungen, hier auf den berufsbildungstheoretischen Ansatz Heinrich Weinstocks, erfordert. Wenn beim Versuch der Gestaltung eines alternativen Interpretationsmodells die Theorie Kerschensteiners als Anknüpfungspunkt gewählt wird, dann nicht, um die Vielzahl der Berufsbildungstheorien auf die Kerschensteiners zu reduzieren, sondern weil letzterer der meist unbestrittene Exponent dieser theoretischen Bewegung ist.

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