Forschungsarbeit: Funktionswandel der VOEST-ALPINE-Stahlstiftung

Funktionswandel der VOEST-ALPINE-Stahlstiftung

SOCIALIA – Studienreihe soziologische Forschungsergebnisse, Band 39

Hamburg , 228 Seiten

ISBN 978-3-8300-0166-9 (Print)

Zum Inhalt

Für all jene, die in Österreich mit Fragen des Arbeitsmarktes befasst sind, ist die „Stahlstiftung“ ein positiv besetzter Begriff. Er ist ein Symbol dafür, dass Personalreduktionen größeren Umfangs, wo sie unumgänglich sind, sich auch auf schonende Art und Weise durchführen lassen. Kein Wunder also, dass andere Großbetriebe mit ähnlichen Schwierigkeiten, wie sie damals in der VOEST-ALPINE bestanden, sich am Vorbild der Stahlstiftung orientierten und ähnliche Wege eingeschlagen haben. Der Gründung diverser Unternehmensstiftungen folgten einige Jahre später weitere Versuche, das vielfach als höchst erfolgreich gepriesene Modell der Stahlstiftung in weiteren Typen von Arbeitsstiftungen auf neue Situationen zu transferieren.

Der Autor dieser Studie hatte bereits 1997 die Aufgabe unternommen, die Daten, welche die Stahlstiftung bei den Neueintritten kontinuierlich erhebt, für den Zeitraum von 1994 bis 1997 auszuwerten. Die Auswertung mit den üblichen Verfahren führte wohl zu statistischen Ergebnissen, nicht aber zu einem theoretischen Koordinatensystem, aus dem sich eine einigermaßen attraktive Interpretationsperspektive ableiten ließ. Erst die Durchsicht der bei der Stahlstiftung verfügbaren Dokumentation über die Pressemeldungen zum Thema Stahlstiftung aus den Jahren 1987 bis 1998 führte zu einigen überraschenden Aha-Erlebnissen. Denn es zeigte sich, was weithin in Vergessenheit geraten ist, dass die Errichtung der Stahlstiftung von Anfang an eine höchst umstrittene Angelegenheit gewesen ist. Ein Studium der damaligen Kontroversen führt zur Einsicht, dass organisatorisch-administrative Vorgaben und Abläufe immer auch Ausdruck bestimmter Vereinbarungen auf höherer Ebene sind. In diesen Vereinbarungen spiegeln sich die gesellschaftspolitischen Kräfteverhältnisse, die zu berücksichtigen sind, wenn verstanden werden soll, was auf der operationellen Ebene einzelner Arbeitsstiftungen geschieht. So nimmt in der Arbeit die historisch orientierte Aufarbeitung der Presseberichte im Vergleich zum empirischen Teil einen weit größeren Raum ein.

Damit sind einige Schritte getan, die Entstehungsgeschichte einer für die österreichische Arbeitsmarktpolitik spezifischen Einrichtung im Detail nachvollziehbar zu machen. Dies ist umso notwendiger, als die Gründungsphase der Stahlstiftung den Beginn eines heftigen Ringens um neue Formen der Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft markiert. Wie soziale Wohlfahrt und ökonomische Effizienz aufeinander abzustimmen sind, ohne einen Teil der Bevölkerung in Armut oder Funktionslosigkeit abzudrängen, ist eine auch heute noch bei weitem nicht geklärte Frage.

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