Doktorarbeit: Zur Lemgoer Stadtsprache des 16. Jahrhunderts am Beispiel des Stadtschreibers Heinrich Wippermann

Zur Lemgoer Stadtsprache des 16. Jahrhunderts am Beispiel des Stadtschreibers Heinrich Wippermann

Ein Beitrag zur Erforschung des niederdeutsch-hochdeutschen Sprachwechsels im Weserraum

PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 38

Hamburg 2002, 468 Seiten
ISBN 978-3-8300-0164-5 (Print)

16. Jahrhundert, Niederdeutsch, Schreibsprache, Sprachwechsel, Sprachwissenschaft, Stadtsprache

Zum Inhalt

Am Beispiel des Lemgoer Stadtschreibers Heinrich Wippermann dokumentiert die Arbeit einen Ausschnitt der niederdeutsch-hochdeutschen Schreibpraxis im 16. Jahrhundert. Wippermann war mehr als drei Jahrzehnte (von ca. 1542 bis 1577) in der lippischen Stadt Lemgo als Stadtsekretär tätig, somit fällt in seine Amtszeit auch der Beginn des niederdeutsch-hochdeutschen Sprachwechsels in der Kanzlei des lippischen Landesherrn.

Mittels ausgesuchter sprachlicher Merkmale wird ein heterogenes Textkorpus von ca. 16.000 Wörtern hinsichtlich der jeweiligen Zielsprache und Schreibmotivation untersucht. Dabei wird jeder Text als Einzeltext analysiert und interpretiert, um die unterschiedlichen Facetten der Schreibmotivation in Korrelation zur schreibsprachlichen Ausführung detailliert zu erfassen.

Anhand der statistischen Werte kann gezeigt werden, daß Wippermann keine Übergangsphase des Schreibens mit einem ausgewogenen niederdeutsch-hochdeutschen Mischungsverhältnis durchläuft und daß es offenbar auch für einzelne Schreiber keinen systematischen Übergang zur hochdeutschen Schreibsprache gegeben hat. Vielmehr muß der Sprachwechsel beschrieben werden als ein dynamischer Prozeß, der von einem zunehmenden Erwerb der hochdeutschen Schreibroutine bei gleichzeitigem Abbau der hochdeutschen Schreibmotivation geprägt ist und so schließlich zur Überwindung der niederdeutschen Schreibtradition führt.

Der schreibsprachlichen Analyse werden ein Kurzüberblick über die Lemgoer Stadtgeschichte im 16. Jahrhundert, ein Kapitel über die städtische Kanzlei Lemgos zu dieser Zeit und eine Biographie des Stadtschreibers Wippermann vorangestellt. Es werden damit die nötigen Hintergrundinformationen geliefert, um den schreibsprachlichen Einzelbefund in den Gesamtrahmen der Schreibtätigkeit Wippermanns einordnen und im Hinblick auf die individuelle Schreibpraxis interpretieren zu können. Im Vergleich können drei Schreibertypen der Übergangszeit herausgearbeitet und insbesondere für Wippermann ein individuelles Schreiberprofil erstellt werden.

Das Textkorpus umfaßt Texte der allgemeinen städtischen Verwaltung, Hanseakten, Hexenprozeßakten, sowie Korrespondenzen mit dem lippischen Landesherrn, die in einem ausführlichen Quellenanhang mit Anmerkungsapparat der Arbeit beigefügt sind.

Um die Handschrift Heinrich Wippermanns zu dokumentieren finden sich im Anhang Reproduktionen einiger anschaulicher Aktenstücke aus seiner Hand, zudem Abbildungen, die den niederdeutsch-hochdeutschen Sprachwechsel wiederspiegeln.



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