Forschungsarbeit: Jüdisches Leben im Rahmen der sich wandelnden politischen Landschaft Österreichs von 1867 bis 1938

Jüdisches Leben im Rahmen der sich wandelnden politischen Landschaft Österreichs von 1867 bis 1938

Schriften zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Band 34

Hamburg 2020, 112 Seiten
ISBN 978-3-339-11270-5 (Print), ISBN 978-3-339-11271-2 (eBook)

Antisemitismus, Erste Republik, Geschichte, Gleichberechtigung, Integration, Judentum, Jüdisches Leben, Kaiserreich, Österreich, Österreich-Ungarn, Politik, Ständestaat, Verfassungsrecht

Zum Inhalt

Im Zuge der Entwicklung des Habsburgerreichs zu einer europäischen Großmacht steigt der jüdische Bevölkerungsanteil in Österreich, vor allem durch territoriale Zugewinne, deutlich an. Dabei weisen die kulturell und gesellschaftlich unterschiedlich geprägten und zum Teil beträchtlich voneinander entfernten Siedlungsgebiete der Monarchie keine einheitliche jüdische Kultur auf. Ein Umstand, der immer wieder auch zu bestimmten Spannungen innerhalb der jüdischen Community selbst führt. Während die eher streng gläubigen und ärmlichen Ostjuden in ghettoisierten Parallelgesellschaften leben, sind Jüdinnen und Juden insbesondere im Wiener Bürgertum gut integriert und spielen in militärischen Leitungsfunktionen eine maßgebliche Rolle. Wobei sich zeigt, dass die vermehrte staatliche Toleranz und gesellschaftliche Anerkennung der jüdischen Bevölkerungsteile zu einer erstarkenden Identifikation von Jüdinnen und Juden mit Österreich führt, welche, vor allem auch beim Militärdienst, bis zum Patriotismus reicht.

Die gesellschaftliche und rechtliche Position von Jüdinnen und Juden in Österreich steht dabei in enger Wechselbeziehung zu den jeweiligen staatlichen, sowie politischen Machtverhältnissen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und ideologischen Strömungen. So führt die österreichische Niederlage im Deutschen Krieg von 1866, und die damit einhergehende Schwächung des Absolutismus, zu einer Rechtslage, welche die Emanzipation der jüdischen Bevölkerung in Österreich begünstigt. Dazu tragen auch die zu dieser Zeit allgemein in Europa gegebenen Gleichberechtigungsbestrebungen bei. Umgekehrt führen die existentiellen Nöte und Ängste der Bevölkerung in der Zwischenkriegszeit, nach dem Ersten Weltkrieg, zur vermehrten Ablehnung der jüdischen Bevölkerungsteile in Österreich, welche die bisher religiös geprägten Erscheinungen eines Antijudaismus in eine ethnisch motivierte Diffamierung umschlagen lässt, die schließlich im Holocaust gipfelt.

Das Buch befasst sich auf dieser Grundlage zentral mit der soziokulturellen Situation und Integration der jüdischen Bevölkerung Österreichs von der Kaiserzeit bis zum autoritären Bundesstaat; wobei insbesondere Zusammenhänge zwischen politischer Verfasstheit und sozialem Status, die Rolle der Juden in der österreichischen Armee, konfessionelle und soziale Spannungen innerhalb der vielschichtigen jüdischen Community und die jeweiligen antisemitischen Tendenzen dargestellt und erörtert werden. Durch die verknüpfende Herangehensweise in der Betrachtung der Wechselbeziehungen von politischen Lagen, rechtlichen Grundlagen und gesellschaftlichen Gegebenheiten sollen neue Einsichten zur Entwicklung der jüdischen Sozietät in Österreich eröffnet werden.



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