Buches: Es brennt alles wie Schwefel im Feuer – Eine anonym verfasste Apologie des Judentums aus dem 18. Jahrhundert in italienischer Sprache

Es brennt alles wie Schwefel im Feuer – Eine anonym verfasste Apologie des Judentums aus dem 18. Jahrhundert in italienischer Sprache

Schriften zur Religionswissenschaft, Band 11

Hamburg 2018, 360 Seiten
ISBN 978-3-339-10286-7

18. Jahrhundert, Apologie, Florenz 1736, Geschichte, Geschichte Italiens, Italien, Judaistik, Judentum, Jüdische Gebräuche, Jüdische Sitten, Kirchengeschichte, Leon Modena, Paolo S. Medici, Religion, Riti e costumi degli Ebrei descritti e confutati, Theologie, Venedig 1638

Zum Inhalt

Der hier zum ersten Mal veröffentlichte und übersetzte Text ist eine Apologie des Judentums und stammt von 1736/37. Er wurde auf Italienisch verfasst von einem Autor, dessen Name unbekannt ist. Diese Abhandlung, schlicht als Scrittura (Schrift) betitelt, wendet sich gegen die Veröffentlichung eines Buches, das dabei war, eines der erfolgreichsten antijüdischen Werke des 18. Jahrhunderts in Italien und darüber hinaus zu werden. Verfasst von dem Konvertiten Paolo Sebastiano Medici, sprühen die 1736 in Florenz veröffentlichten Riti e costumi degli Ebrei descritti e confutati (Darstellung und Widerlegung der jüdischen Riten und Gebräuche) nur so von antijüdischem Eifer.

Der Titel von Medicis Werk spielt direkt auf das Buch Jüdische Riten, Sitten und Gebräuche (Venedig 1637/1638) von Leon Modena (1571–1648) an, der für eine vorurteilsfreie Betrachtung des Judentums geworben hatte. Medici warf dem Rabbiner vor, in seiner Darstellung negative Aspekte verschwiegen oder beschönigt zu haben und vieles falsch dargestellt zu haben. Die Vorwürfe Medicis hatten den Protest jüdischer Gemeinden ausgelöst, der zu einem vierzigjährigen Druckverbot der Riti e costumi seitens des Heiligen Offiziums geführt hatte. Doch nach Ablauf dieser Sperrfrist, kam es 1736 zur Veröffentlichung, wogegen die hier vorliegende Schrift protestiert. In ihr kontrastieren sachliche Widerlegungen mit polemischen Ausbrüchen gegen Medici und dessen brandgefährliches Machwerk, das von Abraham Berliner im 19. Jahrhundert als „Ausgeburt einer judenfeindlichen Literatur“ bezeichnet wurde.

Während sich Medicis Buch in ganz Europa verbreitete, blieb das hier veröffentlichte Manuskript bislang ungedruckt. Mit seiner Veröffentlichung bietet sich die Möglichkeit, den Blick auf diese interkonfessionelle Debatte nochmals zu schärfen. Vor allem die Auseinandersetzung mit Medicis verleumderischer Methode mittels unwahrer Behauptungen und „fake news“ Stimmung zu erzeugen macht die Scrittura brandaktuell.



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