: Deutsche Entlehnungen im Französischen

Deutsche Entlehnungen im Französischen

Beiträge zur Entstehung der sprachwissenschaftlichen Terminologie im 19. Jahrhundert

PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 26

Hamburg 1998, 400 Seiten
ISBN 978-3-86064-694-6 (Print)

19. Jahrhundert, Deutsch, Entlehnung, Französisch, Grimm, Lehnbeziehung, Sprachwissenschaft, sprachwissenschaftliche Terminologie

Zum Inhalt

Der Gegenstand dieser Untersuchung ist der Einfluss der deutschen auf die Entwicklung der französischen Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts, insofern er sich in der Entlehnung der sprachwissenschaftlichen Terminologie widerspiegelt. Die Arbeit ist also ein Beitrag zur Lehngutanalyse der Fachterminologie der französischen Sprachwissenschaft und damit zugleich zur Wissenschaftsgeschichtsschreibung der Sprachwissenschaft im vorigen Jahrhundert, in dem, so lautet eine der zentralen und nicht unumstrittenen Thesen der bisherigen Historiographie dieser Disziplin, die Sprachreflexion erst zur eigentlichen Wissenschaft geworden ist. Sicher ist, dass hier die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Sprache in der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft eine neue Qualität erreicht hat.

Der untersuchte Zeitraum ist eine Periode wissenschaftlichen Umbruchs. Auch die Sprachwissenschaft in Frankreich ist auf einen nationalen Zeitgeist bezogen und durch ihn geformt: Die herrschende Sprachphilosophie der Grammaire générale beruht auf der französischen Aufklärungsphilosophie, die im revolutionären und napoleonischen Frankreich das geistige Leben bestimmt. Diese Sprachauffassung ist grundsätzlich ahistorisch und nicht auf die Erforschung der Einzelsprache gerichtet. Ihr Interesse gilt vielmehr dem Nachweis, dass alle Sprachen Verwirklichungen allgemeiner logischer Gesetze und Äußerungen der einheitlichen menschlichen Vernunft sind.

So kommt es zu der paradox anmutenden Situation, dass in Frankreich das Bedürfnis nach einer wissenschaftlichen Befassung mit der Entwicklung der eigenen Sprache nicht nur durch die Resultate der Arbeiten von Diez erst gestiftet wird, sondern gegen das durch die Vorherrschaft der Grammaire générale in der herrschenden Lehre gestiftete Desinteresse durchgesetzt werden muss. In einem derartigen historischen Stadium muss man davon ausgehen, dass mit der Rezeption der methodischen Umwälzung der Wissenschaft durch die französischen Sprachwissenschaftler nicht nur der eine oder andere Terminus entlehnt wird, sondern die zentralen Kategorien der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft nach deutschem Vorbild benannt werden.



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