Dissertation: „Ohne die geringste Störung und ohne Blutvergießen“: Die Revolution 1918/1919 in Lippe

„Ohne die geringste Störung und ohne Blutvergießen“:
Die Revolution 1918/1919 in Lippe

Schriften zur Geschichtsforschung des 20. Jahrhunderts, Band 14

Hamburg 2017, 594 Seiten
ISBN 978-3-8300-9380-0 (Print & eBook)

Carl Severing, Demobilmachung, Detmold, Domanium, Fürstlich Lippische Staatwerkstätten, Heinrich Drake, Land Lippe, Lippische Landeskirche, Radikalisierung, Rechtskontinuität, Regionalgeschichte, Revolution 1918, Volks- und Soldatenrat

Zum Inhalt

Das Revolutionsjahr 1918 brachte auch für das Land Lippe einschneidende Veränderungen mit sich. Mit der Abdankung des Fürsten Leopold IV. endete für viele Lipper überraschend die gut 700 Jahre lange dynastische Geschichte des Landes. Dieses Buch befasst sich mit der Arbeit des Volks- und Soldatenrats in der Übergangszeit vom Fürstentum zum Freistaat. Entscheidende politische Weichenstellungen werden ebenso beleuchtet wie der Umgang des Rats mit den damalig alltäglichen Anforderungen. Die politischen Akteure werden zudem biographisch dargestellt, die politischen und wirtschaftlichen Vorstellungen und Forderungen der einzelnen Akteure werden somit leichter verständlich und nachvollziehbar.

Zum Verständnis der Ereignisse wird über den eng abgegrenzten Zeitraum der Revolution hinausgeblickt. Die Ursachen der Unzufriedenheit in der Bevölkerung, wie das immer wieder diskutierte Dreiklassenwahlrecht oder die industrielle Rückständigkeit, erfahren ebenso eine historische Einordnung wie die Ereignisse nach der Revolution, die für das diktatorischen Ende der Weimarer Republik in Lippe den Boden bereiteten. Die erstarkende Rechte, die bereits im Jahr 1919 ihre Ablehnung der Republik deutlich formulierte, die Presse, die Bevölkerung und der Staatsapparat, allen voran die Justiz, die das tolerierten, werden als Wegbereiter der politischen Radikalisierung bis zur Machtübernahme herausgearbeitet.

Insgesamt zeigt diese Veröffentlichung, dass die Revolution von 1918/19 bisher zu wenig Beachtung in der historischen Regionalforschung gefunden hat und dass damit bis in die aktuellen Geschichtsbücher eine nach wie vor verzerrte Wahrnehmung der revolutionären Vorgänge vorherrscht. Angesichts des aktuell erstarkenden Nationalismus ist es wichtig zu zeigen, dass extreme Parteien und Ressentiments gegen Neuerungen und Fremde keine singulären, plötzlich auftretenden Ereignisse sind, sondern immer eine Geschichte haben. Dieses Buch liefert seinen Beitrag zur fundierten Auseinandersetzung mit der lippischen Geschichte.



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