Doktorarbeit: Reflexion und Verklärung – Industrieller Fortschritt und gesellschaftliche Realität in der offiziellen Malerei des deutschen Kaiserreichs der 1870er bis 1890er Jahre

Reflexion und Verklärung –
Industrieller Fortschritt und gesellschaftliche Realität in der offiziellen Malerei des deutschen Kaiserreichs der 1870er bis 1890er Jahre

Schriften zur Kunstgeschichte, Band 57

Hamburg 2016, 670 Seiten
ISBN 978-3-8300-8725-0 (Print & eBook)

19. Jahrhundert, Ausstellungsbild, Deutsches Kaiserreich, Gattungsverschiebungen, Hochindustrialisierung, Kunstgeschichte, Malerei, Malerei 19. Jahrhundert, Offizielle Malerei, Realismus, Rezeptionsästhetik, Soziale Frage

Zum Inhalt

Von der offiziellen Kunstkritik und dem Publikum wurde an die deutsche Malerei, die auf den großen Kunstausstellungen der 1870er bis 1890er Jahre gezeigt wurde, die Anforderung gestellt, modernes Leben zu thematisieren. Diese Untersuchung geht der Fragestellung nach, inwieweit Umwälzungen des gesellschaftlichen Lebens tatsächlich in der offiziellen Malerei des deutschen Kaiserreichs umgesetzt wurden und Anerkennung fanden. Der Fokus richtet sich auf Veränderungen, die sich im Zuge der Hochindustrialisierung ereigneten.

Industriedarstellungen zeugen von einer Begeisterung für den technischen Fortschritt und die von Feuer und Rauch dominierte Fabrikatmosphäre. Arbeiter und Maschinen werden Protagonisten des Industriebildes. Das großstädtische Leben ist meist in personenreichen Szenen wiedergegeben. Die Entwicklung der Eisenbahn, die neuen Kommunikationswege und die Urbanisierung werden ebenso thematisiert wie die Auswanderung. Bilder von Banken und Börsen, Leihhausdarstellungen und Auktionsszenen reflektieren bürgerliche Verlustängste. Offizielle Gemälde mit sozialthematischen Inhalten spiegeln, mit Konzentration auf die Notlage von Arbeiterfamilien, bürgerliche Vorstellungen der sozialen Frage wider.

In rezeptionsästhetischen Bildanalysen wird das intensive Bemühen um die Aufmerksamkeit des Betrachters veranschaulicht. Darstellungen profaner Themen nähern sich an Komposition und Darstellungsmodi des Historienbildes an. Hauptmerkmal der offiziellen Gemälde, welche gesellschaftliche und ökonomische Realität verbildlichen, ist deren Ambivalenz von Realismus und Idealismus. Dies nicht nur formal, auch inhaltlich gehen sie einen Kompromiss zwischen der Reflexion gesellschaftlicher Realität und deren Verklärung ein. Sie müssen den divergierenden Forderungen des Publikums nach Abbildung der Wirklichkeit und idealisierender, schöner Darstellung gerecht werden und changieren zwischen Tradition und Fortschritt sowie zwischen Anpassung und Provokation.



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