Forschungsarbeit: Ungarisches Theater im Kontext der Revolution 1956

Ungarisches Theater im Kontext der Revolution 1956

Theatralische und gesellschaftliche Wege des Politischen

Schriften zur Kulturwissenschaft, Band 113

Hamburg 2015, 200 Seiten
ISBN 978-3-8300-8053-4 (Print & eBook)

1956, Kommunismus, Kulturwissenschaft, Politische Theorie, Revolution, Theatergeschichte, Theaterwissenschaft, Ungarn

Zum Inhalt

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Das ungarische Theater der frühen 1950er Jahre im spannungsgeladenen Kontext der stalinistischen und nachstalinistischen Ära kann an der Schwelle des Politischen und Sozialen positioniert werden. Mit der Verstaatlichung der Bühnen (1949) begann eine Phase der Schematisierung und Universalisierung der Schauspielkunst und -Theorie, die oft aber nicht zwangsläufig in leeren Propagandastücken und gehaltlosen Phrasenzirkeln mündete. Es waren erst politische Veränderungen im Jahre 1953 (der Tod Stalins; der XX. Parteikongress der KPdSU und das neue Regierungsprogramm in Ungarn) die die ideologische Lockerung einleiteten und sich auf die Bereiche der Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kunst ausdehnten. Das Buch beschränkt sich in erster Linie auf eine kurze Zeitspanne beginnend im Jahre 1953 und versucht den demokratisch-artikulatorischen Weg des ungarischen Theaters hin zur Revolution 1956 offenzulegen. Die demokratischen Veränderungen im Theaterwesen – in der Theatertheorie, bei dramaturgischen Diskussionen, in den Dramen sowie im Schicksal von Schauspieler_innen – fanden ihren temporären Höhepunkt im Freiheitskampf, in der Realisierung einer (Volks-)Demokratie.

Unter Berücksichtigung von Gesichtspunkten des Politischen – unter Zuhilfenahme der neuen Diskurstheorie – und der Wahrheit – als Grundverlangen der Gesellschaft der Zeit – werden zeitgenössische ungarische Dramen von Gyula Illys, László Németh, József Gáli, Zsigmond Remenyik und Ernö Urbán untersucht, an denen man die sozio-politischen Transformationen der Zeit festmachen kann. Weiter werden die Tage des Volksaufstandes in Budapest aus theaterhistorischer Hinsicht durchleuchtet, indem die revolutionäre Tätigkeit von Schauspieler_innen und Theaterfachleuten außerhalb und innerhalb der vier Wände der Theater verfolgt werden. Rekonstruiert werden sowohl persönliche Lebenswege von ausgewählten Akteur_innen als auch Abläufe der theaterinternen Revolutionskomitees, bis zum Zerfall der demokratischen Ideen am 4. November 1956.

Es wird gezeigt wie und in welchem Maße Theater Teil eines demokratisch-artikulatorischen Diskurses werden kann und wie es politische Wirkung auf ein „verschlossenes“ Publikum ausüben und Verständnisalternativen von Wahrheit kommunizieren kann. In einem historischen Umfeld der Heterogenität und Widersprüchlichkeit soll Theater als Medium des Austausches zwischen Kunst und Gesellschaft theaterwissenschaftlich und politisch fassbar gemacht werden.

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