Dissertation: Komisches Selbstverkennen

Komisches Selbstverkennen

Zur Darstellung von Nationalsozialisten in Heinrich Manns „Lidice“, Günter Grass‘ „Die Blechtrommel“ und Edgar Hilsenraths „Der Nazi & der Friseur“

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 129

Hamburg 2014, 310 Seiten
ISBN 978-3-8300-7872-2 (Print & eBook)

Adolf Hitler, Der Nazi & der Friseur, Die Blechtrommel, Edgar Hilsenrath, Günter Grass, Heinrich Mann, Holocaust, Humor, Komik, Lachen, Nachkriegsliteratur, Nationalsozialismus

Zum Inhalt

„Darf man das?“ – Mit dieser Frage begegnet das deutsche Feuilleton immer wieder humoristischen Werken über den Nationalsozialismus. Angesichts der Gräuel, die unter dem NS-Regime begangen wurden, werden Darstellungen der Nationalsozialisten in Deutschland nicht nur nach ästhetischen Kriterien betrachtet, sondern insbesondere auf ihren didaktischen und moralischen Wert hin geprüft. Die lange Tradition der humoristischen Werke über die Nationalsozialisten sowie ihre gegenwärtige Popularität in den Medien machen es jedoch erforderlich, die komischen Darstellungsverfahren genauer in den Blick zu nehmen.

Die Literaturwissenschaftlerin Monika Socha interessiert die Frage, ob Komik in diesem Zusammenhang zwangsläufig zur Verharmlosung führt. In ihrer Arbeit unterscheidet sie dabei zwischen Darstellungen des Holocaust und der Nationalsozialisten. Sie macht deutlich, dass die Verhöhnung der Täter nicht gleichzusetzen ist mit der Verhöhnung der Opfer und ihres Leidens. Anders als der Großteil der bisherigen Forschung fokussiert sie nicht die Opfer und die Gräueltaten, sondern die in den Werken dargebotenen nationalsozialistischen Figuren. Um nicht bei der häufig verwendeten Redewendung vom Lachen, das im Halse steckenbleibt, zu verbleiben und ihre Ergebnisse theoretisch zu untermauern, arbeitet sie hierfür ein breites Spektrum an Komiktheorien heraus. Ihre Analysen von Heinrich Manns Lidice, Günter Grass’ Die Blechtrommel und Edgar Hilsenraths Der Nazi & der Friseur zeigen, dass Komik nicht notwendigerweise auf eine Verharmlosung von Gewalt hinauslaufen muss. Durch groteske Überspitzung, provokativen Tabubruch, Vulgarität und Spiegelung von Klischees zielen die Autoren häufig darauf, die selbsternannten Autoritäten und ihre Ideologie zu diskreditieren. Die komischen literarischen Werke können einer Dämonisierung und Mythologisierung entgegenwirken und ihre Leser auffordern, die eigene Vorstellung von Nationalsozialisten und den eigenen Umgang mit diesem Thema zu überprüfen.



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