Doktorarbeit: Jugenderwerbslosigkeit im Schatten aktivierender Arbeitsmarktpolitiken

Jugenderwerbslosigkeit im Schatten aktivierender Arbeitsmarktpolitiken

Deutschland und Großbritannien im Vergleich

SOCIALIA – Studienreihe soziologische Forschungsergebnisse, Band 134

Hamburg 2014, 312 Seiten
ISBN 978-3-8300-7830-2 (Print & eBook)

Rezension

[...] Die Studie bietet einen guten Einblick in die Lebenswirklichkeiten arbeitsloser Jugendlicher und junger Erwachsener (U25). [...] Ich würde mir vor allem für PraktikerInnen aus der Arbeit mit der Zielgruppe der Forschung (z.B. FallmanagerInnen in Jobcenter oder U25-Maßnahmen) eine Art „Executive Summary“ wünschen, in der deutlich wird, dass das Handeln als VertreterIn der Arbeitsmarktpolitik Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen hat. [...]

Lea Putz-Erath, in:
socialnet Rezensionen, 22.05.2015

Aktivierungspolitiken, Arbeitsmarktpolitik, Deutschland, Exklusionsforschung, Großbritannien, Integrationsforschung, Jugendarbeitslosigkeit, Jugenderwerbslosigkeit, Vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung

Zum Inhalt

Aktivierung lautet das Schlagwort der Arbeitsmarktpolitiken, die in der neoliberalen kapitalistischen Bewegung darauf abzielen, das wohlfahrtsstaatliche Arrangement des Staatsinterventionismus umzuformulieren. Ausgehend von einer vermeintlichen Krise des Wohlfahrtsstaates, wird nunmehr das Soziale in Regress des Ökonomischen genommen. So steht der (Wohlfahrts-)Staat in der globalisierten Welt unter permanenten Konkurrenzdruck. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die Staatsausgaben gesenkt und die Arbeitsmarktpolitiken an die neuen Herausforderungen angepasst werden. Mit der Implementierung der sogenannten Hartz-Reformen in Deutschland oder ihrem britischen Pendant des Third Way, gehen zahlreiche Veränderungen einher, welche sowohl die Strukturen der Arbeitsmarktinstitutionen als auch die Lebenssituation der Erwerbslosen in diese Kosten-Nutzen-Logik einspannen und maßgeblich beeinflussen. Inwiefern die Reformen allerdings dazu geeignet sind, auf weltgesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren, bleibt fragwürdig. Klar ist hingegen, dass global-ökonomische Prozess sicher nicht im Jobcenter gelöst werden oder dort sinnvoll bearbeitet werden können. Der Aktivierungsimperativ nimmt hierbei vor allem das Handeln und Denken der Erwerbslosen in den Blick und versucht die Betroffenen an den neuen Geist des Kapitalismus anzupassen. Das vornehmliche Ziel ist die zeitnahe Reintegration um jeden Preis.

Arbeitsmarktpolitische Aufmerksamkeit wird vorrangig der Gruppe der unter 25-Jährigen zuteil. Sie werden im höchsten Maße aktiviert, das heißt kontrolliert und sanktioniert. Für sie gelten spezielle Förderungs- und Forderungsmaßnahmen, deren Wirkungen in dieser qualitativen Studie untersucht werden. Im Ergebnis zeigt sich, dass Unterschiede als auch länderübergreifende Gemeinsamkeiten zwischen den Lebenssituationen der Erwerbslosen bestehen. Überraschend ist des Weiteren, dass die strukturellen Bedingungen der Politiken nicht allein darüber entscheiden, wie die Jugendlichen ihre schwierige Lebenslage bewältigen, sondern dass kulturelle Faktoren ebenso von Bedeutung sind. Das heißt, die kulturellen Bedingungen sind für die Welt der Erwerbslosigkeit mit verantwortlich. Dabei lohnt sich ein Blick in den Alltag und die prekäre Lebenssituation der Erwerbslosen. Denn es zeigt sich, dass der (Wohlfahrts-)Staat soziale Ungleichheiten nicht nur verringert, sondern zugleich produziert. Darauf aufmerksam zu machen ist der Impetus einer politischen Soziologie sozialer Ungleichheit.



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