Doktorarbeit: Traumaexposition und Posttraumatische Belastungsstörungen bei Freiwilligen Feuerwehren

Traumaexposition und Posttraumatische Belastungsstörungen bei Freiwilligen Feuerwehren

Studien zur Stressforschung, Band 32

Hamburg 2011, 216 Seiten
ISBN 978-3-8300-5788-8 (Print), ISBN 978-3-339-05788-4 (eBook)

Freiwillige Feuerwehr, Gesundheitswissenschaft, Kohärenzsinn, Posttraumatische Belastungsstörungen, Psychologie, Psychotraumatologie, PTBS, Stressforschung, Trauma

Zum Inhalt

„VKU mit Todesfolge: Jugendlicher prallte frontal gegen einen Baum, Person musste aus dem Wagen geborgen werden - sehr schwer verletzt und eingeklemmt - schrecklicher Anblick und seelische Belastung, auch noch Tage später.“

Mit diesen Worten beschreibt ein Angehöriger einer Freiwilligen Feuerwehr seinen „schlimmsten“ Einsatz. Mittlerweile ist bekannt, dass nicht nur viele Opfer von Unfällen, Naturkatastrophen oder Gewalttaten unter seelischen Belastungen nach solchen Ereignissen leiden, sondern, dass auch die Helfer bei ihrer Einsatztätigkeit seelischen Belastungen ausgesetzt sind. Der Anblick von toten oder schwerverletzten Personen, die Bergung von entstellten Opfern, ein während des Einsatzes tödlich verunglückter Kamerad, das sind Einsatzsituationen, die nicht leicht zu verarbeiten sind und die auch auf Helfer traumatisierend wirken können. Einsatzkräfte von Feuerwehren werden als Risikogruppen für die Entwicklung von Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) nach hoch belastenden Einsätzen betrachtet. Die Forschung konzentrierte sich dabei vorrangig auf die hauptberuflich tätigen Einsatzkräfte. Erst in den letzten Jahren wurden in Deutschland die Auswirkungen von Einsatzbelastungen auch auf ehrenamtlich tätige Einsatzkräfte, wie beispielsweise die Mitglieder von Freiwilligen Feuerwehren untersucht.

In einer Querschnittstudie wurden Einsatzkräfte von Freiwilligen Feuerwehren mit einer mittleren bis hohen Einsatztätigkeit befragt. Die Untersuchung wurde auf der Basis eines multifaktoriellen Rahmen?modells zur Ätiologie der Störung konzipiert. Das Modell beinhaltet prätraumatische, peritraumatische und posttraumatische Faktorengruppen, die die Entstehung und Aufrechterhaltung der Störung erklären sollen. Vor diesem Hintergrund waren die Ziele der Untersuchung: Die Gewinnung von Erkenntnissen über die einsatzbedingte Stressorexposition und die Belastungsmerkmale von subjektiv hoch belastenden Einsatzsituationen, die Erhebung von Prävalenzen der einsatzbezogenen Traumaexposition und der PTBS und die Überprüfung der Einflüsse der Variablen aus den verschiedenen Faktorengruppen auf die Ausbildung und die Schwere der Erkrankung. Auf der Grundlage des Salutogenese Modells von Antonovsky wurde außerdem der Einfluss des Kohärenzgefühls auf die Stressverarbeitung und die PTBS untersucht und dabei eine protektive Funktion auf die Spannungsregulation und die PTBS angenommen.

Die multiplen Analysen zeigen insgesamt, dass sowohl prä-, als auch peri- und posttraumatische Variablen einen Einfluss auf die Ausbildung der Störung bzw. die Symptomschwere haben und weisen zudem auf eine protektive Wirkung des Kohärenzgefühls sowohl auf die psychische Gesundheit als auch auf die Stressverarbeitung hin.



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