Doktorarbeit: Die Situation in den Flüchtlingseinrichtungen für DDR-Zuwanderer in den 1950er und 1960er Jahren

Die Situation in den Flüchtlingseinrichtungen für DDR-Zuwanderer in den 1950er und 1960er Jahren

„Die aus der Mau-Mau-Siedlung“

Studien zur Zeitgeschichte, Band 68

Hamburg 2008, 458 Seiten
ISBN 978-3-8300-3498-8 (Print), ISBN 978-3-339-03498-4 (eBook)

1950er, 1960er, DDR, DDR-Zuwanderer, Flüchtlinge, Flüchtlingseinrichtungen, Geschichtswissenschaft, Mau-Mau-Siedlung, Notaufnahmegesetz, Notaufnahmeverfahren, Sammelunterkünfte, SBZ, West-Berlin, Zeitgeschichte

Zum Inhalt

Zwischen 1945 und 1961 verließen annähernd drei Millionen Menschen die SBZ bzw. DDR und suchten Aufnahme in der Bundesrepublik, seit 1952 verstärkt in West-Berlin. Als Reaktion auf die Fluchtbewegung schuf die junge Bundesrepublik 1950 das Notaufnahmegesetz, welches die wirtschaftlichen und sozialen Belastungen durch die Zuwanderer in Grenzen halten und zugleich in der DDR politisch Gefährdeten Zuflucht bieten sollte.

Die Wohnungsnot war groß. Um der großen Anzahl der Zuwanderer eine Unterkunft bieten zu können, mussten Kasernen, Lagerhallen, Schulen, Baracken etc. in Lager umgestaltet werden. In diesen oft notdürftig hergerichteten Einrichtungen wurden sowohl Flüchtlinge während der Zeit des Notaufnahmeverfahrens als auch Zuwanderer, die nach den rechtlichen Bestimmungen des Notaufnahmegesetzes keine Zuzugsgenehmigung erhalten hatten, untergebracht. Dieser Personenkreis wurde zwar nicht in die DDR zurückgeschickt, war aber von den Vergünstigungen, welche die Aufgenommenen erhielten, ausgeschlossen. So hatten die Betroffenen weder Anspruch auf staatliche Hilfe noch auf bewirtschafteten Wohnraum und durften in West-Berlin überwiegend keine Arbeit aufnehmen. Dazu konnten sie nicht in die Bundesrepublik ausgeflogen werden, wo das Arbeitsverbot für abgelehnte Zuwanderer nicht bestand. Viele der Betroffenen lebten über Jahre in Lagern oder lagerähnlich belegten Unterkünften.

Die Autorin stellt die Erfahrungen ehemaliger Lagerbewohner in das Zentrum ihrer Untersuchung. Sie stützt sich dabei vorrangig auf die Auswertung von 15 Interviews mit ehemaligen Lagerbewohnern, die zwischen 1950 und 1960 die DDR verließen. Erstmalig werden damit die Perspektive der Betroffenen, ihre Erfahrungen, ihre Notlage, aber auch ihre Überlebensstrategien sichtbar.

In vielen Punkten lassen sich die Lebensbedingungen der Lagerbewohner der 50er Jahre auf die Lebensumstände heutiger asylsuchender Menschen in Sammelunterkünften übertragen. Von daher leistet diese Studie einen wichtigen Beitrag für die Erforschung der Folgen von längerfristiger Unterbringung in Sammelunterkünften.



Informationen über das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten.

nach oben