Forschungsarbeit: wieland

wieland

Vorbemerkungen zur „Novelle ohne Titel“

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 79

Hamburg 2005, 118 Seiten
ISBN 978-3-8300-1687-8 (Print & eBook)

Dekonstruktion, Deutsche Philologie, Gender Studies, Intertextualität, Literaturtheorie, Literaturwissenschaft, Poetik

Zum Inhalt

Das Buch befasst sich mit einer Novelle aus Christoph Martin Wielands „Hexameron von Rosenhain“, der Novelle ohne Titel (1805), die eine spanische Adelsintrige um Kleider- und Geschlechtertausch erzählt.

Allerdings kommt nicht dieser „plot“ zur Sprache, sondern das "Parergische“ der Geschichte, vier Zentralbegriffe aus der Einleitungsbemerkung des fiktiven Erzählers (Ding/Unding; Novelle; Art; Titel); dabei folgen die Überlegungen dann behutsam den vor allem von Jacques Derrida entwickelten dekonstruktiven Lektüreschritten. Auf die Parallelitäten zwischen dekonstruktivistischem Diskurs und Kommentar hat neuerdings wieder H.U. Gumbrecht hingewiesen. Im Rahmen dieser Arbeit zeigt sich diese Analogie darin, dass etwa die begriffsgeschichtlichen Erläuterungen zu den Termini „Ding“/"Unding“ tatsächlich eine sehr solide philologische Basis haben. Sie öffnen sich aber hinsichtlich der epistemologisch-ästhetischen Kontexte von Wielands ironischer Anspielung.

In einem zweiten Schritt wird die alte poetologische Debatte um die Gattungstheorie über eine Reflexion der „Abschweifung“ und des „Rahmens“ auf Derridas „Parergon“-Begriff bezogen.

Der dritte Teil diskutiert die „genre“-Thematik hinsichtlich Paul de Mans „Prosopopoiia“-Begriff. Im hier auftauchenden gender-Konzept laufen die („hintergründig“ bleibende) Novellenintrige und die „Gattungs“-Diskussion zusammen. Dem Titelparadox bzw. der Dialektik der „Titellosigkeit“ gilt der letzte Abschnitt.

Prof. Dr. Konstanze Fliedl (Universität Salzburg) über das Buch:
» Die kluge Wahl des Initialsatzes aus der Erzählerrede plausibilisiert alle folgenden Denkbewegungen. Alle Überlegungen werden durch fundierte philosophiegeschichtliche, poetologische und gender-theoretische Kenntnisse abgesichert. Reflexionsniveau und Komplexitätsgrad der Studie sind beträchtlich. Dass die Arbeit mit viel ironischer Originalität auf ihrem eigenen „parergischen“, umschiffenden Charakter besteht, gibt der Lektüre im Wielandschen Sinne Witz: dem Vorwurf der ‘anachronistischen‘ Theoretisierung eines historischen Textes ist sie – durch Aussparung des Textes – immer schon voraus. Dem Anliegen Wielands – „den Lesern ist nicht zu helfen. Aber gleichwohl wäre zu wünschen, dass die Leute besser lesen lernten“ – kommt sie gerade dadurch auf souveräne Weise nach.«



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