Doktorarbeit: Ärger und soziale Regeln

Ärger und soziale Regeln

Ärgererleben und Ärgerverhalten in der Selbst- und Fremdwahrnehmung

Studien zur Stressforschung, Band 17

Hamburg 2004, 214 Seiten
ISBN 978-3-8300-1319-8 (Print)

Ärgerregulation, Experimentelle Ärgerinduktion, Gesundheitswissenschaft, Habituelles Ärgererleben, Psychologie, Situationsbezogenes Ärgerverhalten, Sozial-konstruktivistische Emotionstheorie, Stressforschung, Trait-State-Modell

Zum Inhalt

Ärger ist eine Emotion, die wir vergleichsweise häufig und vor allem in sozialen Situationen erleben. Welche Funktion hat der Ärger? Wozu motiviert er? Die sozial-konstruktivistische Ärgertheorie von Averill (Averill, 1982) bietet Antworten auf diese Fragen und ist zentraler Gegenstand der empirischen Überprüfung in dieser Arbeit.
Kennzeichnend und im Hinblick auf die allgemeine Ärgerforschung außergewöhnlich ist die Betonung der sozialen Bedeutung des Phänomens Ärger in diesem Ansatz. Angenommen wird, dass Ärger eine soziale Funktion hat, indem er der Aufrechterhaltung von allgemeinen Verhaltensstandards dient. Eine derartige Betrachtungsweise erfordert die Untersuchung von Ärgererleben und Ärgerverhalten im sozialen Kontext und zwar sowohl in der subjektiven Einschätzung der verärgerten Person als auch in der Fremdeinschätzung durch Beobachter der Ärgersituation. Zu diesem Zweck wurde unter standardisierten Bedingungen im Labor eine soziale Ärgersituation erzeugt. Insgesamt 136 (davon 74 weibliche) Versuchsteilnehmer wurden mit einem unerwarteten Absturz des von ihnen zu bearbeitenden Computerprogramms konfrontiert und anschließend vom Versuchsleiter in unfairer Weise für diesen Vorfall verantwortlich gemacht. Ärgererleben und Ärgerverhalten wurde von den Versuchsteilnehmern selbst sowie von Beobachtern, die eine Videoaufzeichnung der Ärgersituation sahen, eingeschätzt.

Neben den situationsbezogenen Daten wurden auch Ärgerneigung und habitueller Ärgerausdruck erhoben, um einerseits das Trait-State-Modell des Ärgers (Spielberger, Jacobs, Russell & Crane, 1983) und andererseits den prädiktiven Wert des habituellen Ärgerausdrucks für situationsspezifisches Ärgerverhalten zu überprüfen.

Die Ergebnisse geben Hinweise auf die soziale Bedeutung des Ärgers im Sinne von Averills theoretischen Annahmen. Die in der Untersuchung gewählte Form der Ärgerinduktion im Kontext einer sozialen Interaktion erwies sich als ärgerauslösend. Neben anderen subjektiven ärgerbezogenen Zielen verfolgten Personen in der Ärgersituation auch soziale Ziele. Eine Übereinstimmung zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung des Ärgerverhaltens zeigte sich insbesondere für die offenen (aggressiven, nicht-aggressiven und humorvollen) Reaktionsformen. Die Annahmen des Trait-State-Modells des Ärgers können mit Einschränkungen durch die Ergebnisse der Untersuchung gestützt werden. Der habituelle Ärgerausdruck war prädiktiv für das situationsbezogene Ärgerverhalten, klärte allerdings nur einen Teil der Varianz der in der aktuellen Situation gezeigten Ärgerreaktionen auf. Die Ergebnisse werden in Bezug auf die für diese Arbeit relevanten Theorien diskutiert. In diesem Zusammenhang werden inhaltliche und methodische Anregungen für weiterführende Untersuchungen gegeben.



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