Sammelband: Minderheitenschulen - Zweisprachiger Unterricht

Minderheitenschulen - Zweisprachiger Unterricht

EUB. Erziehung – Unterricht – Bildung, Band 106

Hamburg , 200 Seiten

ISBN 978-3-8300-1049-4 (Print)

Zum Inhalt

Im Juni 2000 haben sich Sprachwissenschaftler und Lehrer aus Ungarn, Slowenien Österreich, Deutschland und der Schweiz in der Kleinstadt Szentgotthrd/Ungarn getroffen, die an der österreichischen Grenze und nicht weit von Slowenien liegt, um die Lage der Minderheitenschulen in den genannten Ländern zu beraten. Ein zentrales Thema war die Frage des zweisprachigen slowenisch-ungarischen Unterrichts im Murgebiet/Slowenien. Das Buch enthält die Beiträge dieser Konferenz.

Der wichtigste Ort für die Entwicklung und das Bewahren der Muttersprache ist die Schule. In der seit 40 Jahren andauernden Praxis des zweisprachigen Unterrichts im Murgebiet verliert die ungarische Sprache jedoch zunehmend an Bedeutung. Das zweisprachige Modell weist erhebliche Mängel auf. Und in den Schulen des Raabgebiets mit dem Unterrichtsfach Slowenisch können wir eigentlich über keine Zweisprachigkeit reden, wegen der mangelnden Kompetenz in der Standardvariante der Minderheitensprache. Die steirischen Slowenen werden im Artikel 7 des Staatsvertrages von 1955 explizit erwähnt. Die Zuerkennung des Volksgruppenstatus lässt bis heute auf sich warten. Die Lage des Slowenischunterrichts wird durch die unvorteilhafte Verordnung sehr erschwert: Slowenisch ist Wahlfach und die Stunden werden in einem für die Schüler unangenehmen Zeitpunkt, nachmittags gehalten.

Die Probleme der Minderheiten lösen sich nie „automatisch“, es wird Förderung, positive Diskrimination gebraucht. Vergeblich werden günstige Gesetze erlassen, wenn diese nicht eingehalten oder entsprechend durchgeführt werden. Wenn eine Lage entsteht, in der eine Sprache sich nicht mehr erhalten kann, bedeutet dies die Vernichtung dieser Sprache. Durch solch einen schweren Schaden im kulturellen Umfeld wird nicht nur die Minderheit, sondern zugleich auch die Mehrheitsnation ärmer. Für die Schulen im Murgebiet ist die sog. „Übergangs- oder Austauschmethode“ der zweisprachigen Erziehung charakteristisch, deren eindeutiges Ziel die Förderung der baldigen Anpassung an die Staatssprache und dadurch auch die der Assimilation ist. Diese Lage gefährdet das Verhältnis der Kinder zur eigenen Sprachgemeinschaft. Der heutige zweisprachige Unterricht hat die Zielsetzungen nicht erreicht. Der immer größer werdende Gegensatz zwischen der „Theorie“ und der Praxis rief Gleichgültigkeit und Abneigung gegenüber diesem Problem hervor, was die Veränderung behindert.

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