Magisterarbeit: Der Gottmensch aus Puttaparthi

Der Gottmensch aus Puttaparthi

Eine Analyse der Sathya-Sai-Baba Bewegung und ihrer westlichen Anhänger

Schriften zur Kulturwissenschaft, Band 30

Hamburg 1999, 182 Seiten
ISBN 978-3-8300-0060-0

Guru, Heilige, Hinduismus, Indien, Kulturwissenschaft, neureligiöse Bewegung, Sathya Sai Baba, Sekte, Wunder

Zum Inhalt

Sathya Sai Baba ist Indiens bekanntester Heiliger. Menschen aus 112 Nationen dieser Erde glauben, dass er eine Inkarnation Gottes war, ein Weltenretter. Er mied die Medien und reiste nie ins Ausland, doch bedeutende Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft konsultierten ihn regelmäßig - sein Einfluss in Wirtschaft und Politik Indiens darf nicht unterschätzt werden. Dabei hat Sathya Sai Baba früh und erfolgreich an der Erschaffung seines eigenen Mythos mitgewirkt. Biographisches ist von Legenden und Wundergeschichten überlagert, die seine Person jeglicher Geschichtlichkeit berauben.

Die Frage, warum westliche „Gottessucher“ sich einer neohinduistischen Bewegung anschließen, stellt sich vor allem aufgrund zweier Beobachtungen, denen hier vertiefend nachgegangen wird: Erstens hört man in den sogenannten postmodernen Gesellschaften zunehmend Klagen über eine „spirituelle Verarmung“ und Leerheit im menschlichen Zusammenleben. Eine Reaktion auf diese gesellschaftlichen Missstände ist die Tendenz, sich religiösen Erlebnisgemeinschaften anzuschließen, nicht selten mit einer charismatischen Autoritätsperson. Zweitens scheint es, westliche „Gottessucher“ würden sich wahllos in einem wilden Eklektizismus mit religiösen Stilelementen aus allen Teilen dieser Erde und den verschiedensten historischen Epochen schmücken. Die mangelnde Sensibilität für Geschichtlichkeit und menschliche Lebenserfahrung, die diesen kulturellen Elementen erst ihre Integrität verleiht, wird durch einen Zeitgeist des Relativismus überlagert.

Die Arbeit skizziert zunächst den äußeren Rahmen, die Entstehungsgeschichte, die Bedeutung der Wunder Sai Babas und die Einbettung der Religionsgemeinschaft in historische Strömungen, die ihr eine größere Legitimation verleihen. Dann befasst sich die Autorin mit den Gottesbildern und Weltanschauungen der Sathya-Sai-Baba-Bewegung und ihrer Rezeption durch die westlichen, abendländisch-christlich geprägten Devotees. Ihre Motive und Sehnsüchte auf der Suche nach dem „perfekten Selbstobjekt“ - dem Guru - stehen im Vordergrund der Analyse. Schließlich werden die Organisationsstrukturen der Religionsgemeinschaft beleuchtet und ein Eindruck vom Alltag im Ashram Sathya Sai Babas gegeben.

Ein mehrmonatiger Feldforschungsaufenthalt in Indien führte die Autorin u.a. in den Hauptashram in Puttaparthi und zu einem Sommeraufenthaltsort Sathya Sai Babas. Die Beobachtung des Sathya-Sai-Baba-Zentrums in Berlin und die Teilnahme am Ashramleben in Indien ermöglichten es ihr, einen Einblick in die Struktur und Praxis der religiösen Gemeinschaft zu erhalten. Neben vielen Gesprächen wurden über dreißig Interviews mit überwiegend deutschen Anhängern in Deutschland und Indien geführt.



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