Dissertation: Die Sprachsituation in Bosnien und Herzegowina

Die Sprachsituation in Bosnien und Herzegowina

Eine soziolinguistische Analyse der kroatischen Sprache in Bosnien und Herzegowina

Studien zur Slavistik, Band 52

Hamburg 2020, 406 Seiten
ISBN 978-3-339-11918-6 (Print), ISBN 978-3-339-11919-3 (eBook)

[…] Soziale, historische und politische Gegebenheiten werden zueinander in Beziehung gesetzt und geschickt kombiniert, um in einer soziolinguistischen wie varietätenanalytischen Perspektive neue Erkenntnisse zu erhalten. Der dabei eingeschlagene Weg ist in seinem stark empirisch fundierten Ansatz, der aber zugleich von großem theoretischen wie zeitgeschichtlichen Interesse ist, ein Novum in der slavistischen Fachliteratur.

Prof. Dr. Gerhard Ressel

Bosnien und Herzegowina, Einstellungen der Sprecher, Feldstudie, Kroaten, Kroatische Sprache, Nationale Identität, Politik, Slavische Philologie, Slavistik, Sprachsituation, Sprachverhalten, Standardsprache

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Diese Arbeit bietet einen Querschnitt durch die aktuelle sprachliche und gesellschaftliche Situation der Kroaten in Bosnien und Herzegowina, in dem sich die turbulenten Geschehnisse aus den Neunzigerjahren des 20. Jahrhunderts deutlich widerspiegeln.

Die Arbeit der Autorin basiert auf einer Feldstudie, die in den drei bosnisch-herzegowinischen Städten Banja Luka, Mostar und Sarajewo durchgeführt wurde. Im Fokus stehen dabei primär die Einstellungen der kroatischen Sprecher gegenüber der aktuellen Sprachsituation in Bosnien und Herzegowina und ihrer Muttersprache, analysiert werden aber auch die Einstellungen der Sprecher anderer nationaler Zugehörigkeiten. Ein weiterer Analysegegenstand ist die Sprachpraxis der Sprecher, die mithilfe der Verwendung von markierten sprachlichen Einheiten aufgezeigt wird.

Das gewonnene Forschungskorpus dieser Arbeit basiert auf zwei wichtigen Säulen. Die erste Säule sind die Interviews, die die Autorin mit volljährigen Personen durchgeführt hat. Bei den interviewten Personen handelt es sich um Zeitzeugen einer Zeit mit sehr intensiven gesellschaftlichen und politischen Veränderungen auf dem Gebiet Bosnien und Herzegowinas, deren Folge unter anderem die intensive Neubewertung verschiedener Komponenten der ethnischen und sprachlichen Identität war (alle Interviews sind auf der beiliegenden CD zugänglich). Die zweite Säule des Forschungskorpus ist die unter Schülern durchgeführte schriftliche Befragung. Diese Ergebnisse sind besonders interessant, weil die befragten Schüler im Vergleich zu den Interviewteilnehmern Sprecher sind, die nie die serbokroatische, sondern ausschließlich eine standardsprachliche Norm lernten.

Diese Studie bietet eine neue Sicht auf die kroatische Sprache in Bosnien und Herzegowina und zeigt deutlich auf, dass sowohl der symbolische als auch der kommunikative Faktor determinierend für die sprachliche Identität der bosnisch-herzegowinischen Kroaten ist. Des Weiteren eröffnet sie eine Reihe neuer Forschungsfragen im Hinblick auf die Zukunft der Kroaten in Bosnien und Herzegowina.



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