: Geometrisch-Optische Täuschungen

Geometrisch-Optische Täuschungen

Modelltheoretische Analysen und experimentelle Untersuchungen der Drei-Strecken-, Müller-Lyler und Baldwin-Figuren

Schriftenreihe naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 2

Hamburg , 145 Seiten

ISBN 978-3-925630-59-0 (Print)

Zum Inhalt

“Die Blumen am Feldrain sind keine Blumen mehr, sondern Farbflecken, oder vielmehr rote oder weiße Streifen, es gibt keinen Punkt mehr, alles wird Streifen, die Getreidefelder werden zu langen gelben Strähnen, die Kleefelder erscheinen wie lange grüne Zöpfe, die Städte, die Kirchtürme und die Bäume führen einen Tanz auf und vermischen sich auf eine verrückte Weise mit dem Horizont...”

schreibt Victor Hugo in einem Brief über das Bahnfahren. Die dabei resultierende Wahrnehmungsveränderung wurde damals sogar mit dem Bild der “Vernichtung von Raum und Zeit” beschrieben.

Demgegenüber wird heutzutage die durch die hohen Geschwindigkeiten unserer Transportmittel induzierte Veränderung der Sehweise kaum noch als aufregend erlebt. Es hat, wenigstens in unserem Kulturkreis, eine “Anpassung” an diese stattgefunden.

Ein weiteres bekanntes Phänomen, das bei uns auch heute einen unmittelbaren und zwingenden Wahrnehmungseindruck hinterläßt, betrifft das Anfahren eines Zuges auf dem Nachbargleis - dies wird fälschlicherweise sehr häufig als Bewegung des Zuges, in dem man sitzt, wahrgenommen. Ein solches Erlebnis stellt sich besonders dann ein, wenn man ausschließlich den benachbarten Zug sieht, dieser also das gesamte Gesichtsfeld einnimmt. Die Wahrnehmung dieser (Schein–)Bewegung wird durch die räumliche Relation zu dem jeweils vorherrschenden Bezugssystem determiniert: Dieser Bewegungstäuschung erliegen wir daher nicht, wenn zugleich - als weiteres Bezugssystem - die ruhende Landschaft zu sehen ist, und auch dann nicht, wenn der benachbarte, anfahrende Zug durch das gegenüberliegende Fenster des Abteils, in dem man sitzt, beobachtet wird; hierbei nimmt nämlich das Abteil das Gesichtsfeld hauptsächlich ein. Auch im letzteren Fall ist eine Bewegungstäuschung in Abhängigkeit von der Relation zu dem nun vorherrschenden räumlichen Bezugssystem zu beobachten.

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