Doktorarbeit: Pädagogische Handlungskompetenz ohne pädagogische Ausbildung?

Pädagogische Handlungskompetenz ohne pädagogische Ausbildung?

Berufsschullehrer/innen am Beginn ihrer Lehrtätigkeit

Studien zur Berufs- und Professionsforschung, Band 11

Hamburg 2012, 182 Seiten
ISBN 978-3-8300-6312-4 (Print & eBook)

Berufsbildung, BerufsschullehrerIn, Erwachsenenbildung, Handlungskompetenz, Interessen, Lehrerbildung, Pädagogisches Handlungskonzept, Pädagogisches Unterrichtswissen, Persönlichkeitsmerkmale, Schülerverhalten

Zum Inhalt

Im Schuljahr 2008/09 waren in Österreich 4.955 Lehrende an Berufsschulen beschäftigt. Die Zahl weist darauf hin, dass Berufsschullehrer?/innen eine relevante Position in der österreichischen Bildungslandschaft einnehmen. Zudem erfahren Berufsschullehrer/innen eine spezielle Form der Ausbildung, welche selten Gegenstand von Forschung ist. Diese unterscheidet sich in Österreich vom allgemeinen Lehrerausbildungssystem im Pflichtschulbereich insofern, als dass die Studierenden schon als Lehrer/innen an einer Schule im Dienst stehen, während sie ihre Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule erhalten. Die Studie setzt sich mit der ersten Phase dieser Ausbildung auseinander, in der diese Lehrer/innen als sogenannte Neulehrer/innen unterrichten, ehe sie für ein Jahr an die Pädagogische Hochschule wechseln, um danach wieder an die Schule zurückzukehren. Im Mittelpunkt stehen deren Vorbildung, deren Persönlichkeit und deren Interessen sowie deren pädagogisches Wissen und deren pädagogisches Handeln in der Schulklasse. Um feststellen zu können, ob diese erfassten Lehrermerkmale bedeutsam für das Lernen der Schüler/innen sind, wurde zudem das Verhalten der Schüler/innen erhoben. Aufgrund theoretischer und empirischer Grundlagen wurde ein „Rahmen?modell zur Genese und Wirkung der Unterrichtskompetenzen“ erarbeitet, welches die Generierung von Fragestellungen und Hypothesen ermöglichte, die mit dem erhobenen Datensatz bearbeitet werden konnten. Die Stichprobe setzte sich aus 79 Neulehrer/innen und je eine Klasse dieser Lehrenden, was einer Schülerstichprobe von 858 Schüler/innen entspricht, zusammen. Die Ergebnisse zeigten nur eine geringe Übereinstimmung zwischen den Sichtweisen der Lehrer/innen und Schüler/innen und eine Tendenz dahingehend, dass Lehrer/innen ihr eigenes Handeln positiver wahrnehmen, als Schüler/innen dies tun. Die Annahme, dass das Lehrer/innenverhalten mit dem Schüler/innenverhalten zusammenhängt, konnte bestätigt werden. So zeigte sich, dass bei günstigem Lehrer?/innenhandeln die Schüler/innen intensiver Lernen und weniger den Unterricht stören. Die Zusammenhänge zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen und Interessen der Lehrer/innen und ihrem pädagogischen Handeln waren weniger eindeutig. Auch konnte zu diesem Zeitpunkt noch kein Zusammenhang zwischen dem pädagogischen Wissen und dem Lehrer?/innenhandeln nachgewiesen werden. Dies ist insofern schlüssig, als zu diesem Zeitpunkt noch kein durch das Lehramtsstudium erworbenes Wissen vorhanden sein kann. In weiterführenden Forschungen wird die Wirksamkeit der Lehrer?/innenbildung in Bezug auf die pädagogische Handlungskompetenz untersucht werden. Zudem wird aufgrund der sich vergrößernden Stichprobe, eine Überprüfung des Rahmenmodells zur Genese und Wirkung der Unterrichtskompetenzen ermöglicht werden.



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