Dissertation: Kritik und Inspiration - Zum schöpferischen Lesen in Hofmannsthals Rede „Shakespeares Könige und große Herren“

Kritik und Inspiration - Zum schöpferischen Lesen in Hofmannsthals Rede „Shakespeares Könige und große Herren“

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 97

Hamburg 2007, 372 Seiten
ISBN 978-3-8300-3057-7 (Print), ISBN 978-3-339-03057-3 (eBook)

Essayistik, Germanistik, Hugo von Hofmannsthal, Inspiration, Kritik, Lesen, Literaturwissenschaft, Schöpferisches Lesen, Shakespeare-Rezeption, Wiener Moderne

Zum Inhalt

Eine eingehende Untersuchung dieser Rede fehlt ganz und die Forschung hat bisher nicht die nötigen interpretatorischen Bemühungen unternommen, durch welche »Shakespeares Könige und große Herren« hinlänglich gewürdigt würde. Überhaupt gibt es in der Forschung keinen Beitrag, welcher das in der Ambiguität von Inspiration und Kritik situierte Phänomen des »schöpferischen Lesers« kennzeichnen und textanalytisch interpretieren würde.
Es streift dies ein generelles Problem, das gerade in der Hofmannsthal-Forschung zu bemerken ist, was zweifellos auf das Material und dessen Lage zurückzuführen ist. Aufgrund der hohen, teilweise eben auch philologischen Intellektualität Hofmannsthals, die er nicht ungeäußert ließ (vielerlei Selbstreflexionen und Aphorismen und dergleichen mehr), kurz: vielerlei aperuartig einschlagende Bemerkungen, die von Scharfsinn und Sachverstand zeugen, sabotierten oder manipulierten die textimmanente Vorgehensweise und die Forschung erklärte Hofmannsthal immer wieder durch Hofmannsthal und degardierte sich selbst zum Anwalt des Dichters. Nur scheinbar ist damit Hofmannsthal gedient, denn unter den vielen herangezogenen disparaten, aber brillant formulierten und daher immer wieder gern zitierten Äußerungen, aus anderen Texten zum Rate der Interpretation gezogen, verstummt das einzelne Werk oder wird zumindest verzerrt. Die Untersuchung Alexander Hermenaus verfolgt den Versuch, textimmanent »Shakespeares Könige und große Herren« mit einem philologischen Zugang zu versehen und damit dem Verständnis seines Charakters dienlich zu sein.
Da das Corpus der Essays umfangreich ist, wäre einzuwenden, warum nicht nach einem anderen Essay die Forschung ausgerichtet werde oder nach einer sinnvoll zusammengestellten Gruppe mehrerer Essays. Die Auswahl dieser Rede erklärt sich aus ihrer Bedeutung für Hofmannsthals wirkungspoetische und schöpfungsästhetische Konzipierungen. Sie kann als das bedeutende Muster seiner Leserästhetik gelten. Daneben ist sie ein poetologischer Fundus, nicht zuletzt dadurch, daß der Hofmannsthalsche ‘Leser‘ eo ipso in Produktion tritt. Exemplarisch werden in dieser Rede die rezeptive und die produktive Seite in Sachen des Umgangs mit Literatur in geeinter Form dargestellt. Als ein bedeutendes Zeugnis ferner sollte diese Rede gelten für eine auf eine bestimmte Weise gesittete Menschlichkeit, welcher eine humanistische Grundhaltung als Basis einer aristokratischen Gesinnung vorliegt. Somit einen sich zwei Stränge in dieser Rede: poetologisches Programm und biographisches Bekenntnis. Aufgrund der Reichhaltigkeit und besagter anderer Faktoren beschränkt sich die Untersuchung auf diesen einen Text.
Die Textinterpretationen fußen auf der methodischen Entscheidung, dem Text den Vorrang einzuräumen und nicht seinem Urheber, was allerdings nicht heißt, daß ich mir hier keine Ausnahmen erlaubt hätte. An manchen Problempunkten, auf welche die Interpretation gestoßen ist, hielt ich es teils für wünschenswert und teils für unausweichlich, auf andere Texte Hofmannsthals hinzuweisen, um sie zu Rate zu ziehen. Besonders da, wo sich der Sinn allzu hartnäckig gegen eine Erschließung versperrte, wurde dieses textexterne Vorgehen der Interpretation konzediert. Einzelne Werkpassagen aus Shakespeares Dramen, besonders aber aus »Der Sturm« werden in die Interpretation aufgenommen. Das in der Rede »Shakespeares Könige und große Herren« behandelte Sujet müssen die Erläuterungen umfassen, soweit dies zum Verständnis wichtig ist.



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