Dissertation: Der Schlüssel zu den Molukken

Der Schlüssel zu den Molukken

Makassar und die Handelsstrukturen des Malaiischen Archipels im 17. und 18. Jahrhundert - eine exemplarische Studie

Schriften zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Band 3

Hamburg 2003, 884 Seiten
ISBN 978-3-8300-1081-4 (Print)

17. Jahrhundert, 18. Jahrhundert, Geschichtswissenschaft, Gewürzhandel, Handelssysteme, Indonesien, Kolonialismus, Ostindien-Kompanien, Seehandel, Überseehandel, Wirtschaftsgeschichte

Zum Inhalt

Als die niederländische Ostindienkompanie (VOC) zu Beginn des 17. Jahrhunderts ihren Siegeszug im Malaiischen Archipel antrat, traf sie dort auf eine Handelswelt, die in ihrer Komplexität der europäischen in nichts nachstand, sie in mancher Hinsicht sogar übertraf. Die holländischen Kaufleute waren ebenso wenig wie ihre englischen, portugiesischen oder dänischen Konkurrenten in der Lage, diese Welt zu beherrschen oder gar nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Die Integration des Malaiischen Archipels in eine nach europäischen Maßstäben gestaltete Weltwirtschaft begann im Zeitalter der VOC, doch handelte es sich nicht um eine schlichte Europäisierung, sondern um eine komplexe Engliederung im Zuge vielfacher Interaktionen. Die einheimischen Handelsstrukturen wurden verändert und weiterentwickelt, jedoch keineswegs zerstört. Außerhalb des Gewürzhandels nahm die VOC nur indirekten Einfluß, mit manchen Handelsnetzen kam sie nie in Berührung. Der Archipel wurde auf diese Weise durchaus integriert, allerdings ohne eine strukturelle Unterordnung der indigenen Systeme.

Die Hafenstadt Makassar auf Sulawesi bietet hierfür eines der anschaulichsten Beispiele. Sie galt lange Zeit als Schlüssel zu den Molukken und hatte sich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts endgültig als Drehscheibe des Gewürzhandels etabliert. Der VOC, die ein Monopol auf diesen Handel beanspruchte, war ein solcher Konkurrent ein Dorn im Auge, der letztendlich nur mit militärischen Mitteln beseitigt werden konnte. Die Eroberung (1669) Makassars beraubte die Metropole zwar eines Teiles ihrer Zentralität, doch bedeutete sie weder das Ende des Handels noch der wirtschaftlichen Dynamik in Stadt und Region. Makassar blieb ein Emporium mit beschränkter Reichweite.

Die Untersuchung des makassarischen Handelssystems im 17. und 18. Jahrhundert fördert ein facettenreiches Bild zu Tage, das sich aus teils parallelen, teils konkurrierenden Netzwerken europäischer Kompanien, chinesischer oder malaiischer Großkaufleute und regionaler Händler zusammensetzt. Sie stellt nicht nur einen grundlegenden Beitrag zur Stadtgeschichte Makassars und zur Wirtschaftsgeschichte der Region dar, sondern auch einen wesentlichen Schritt hin zu einer differenzierten Sichtweise der Europäischen Expansion und ihrer ökonomischen Auswirkungen.



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