Dissertation: Der politische Sprachwitz in der DDR

Der politische Sprachwitz in der DDR

Eine linguistische Untersuchung

PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 54

Hamburg 2003, 358 Seiten
ISBN 978-3-8300-0952-8 (Print)

Komik, Komiktheorien, linguistische Analyse, politischer Witz, Sprachwissenschaft, Strukturmerkmale, Witzklassifizierung

Zum Inhalt

Der Witz als mündliche Sprachform operiert stets mit Sprache. Deshalb wird in der wissenschaftlichen Literatur von jeher danach gefragt, wie mit sprachlichen Mitteln Komik erzeugt und Lachen beim Hörer hervorgerufen werden kann.

Auch das vorliegende Buch ordnet sich in diese Fragestellung ein. Es unterscheidet sich aber von anderen Arbeiten über den Witz, indem es linguistische Aspekte in den Vordergrund stellt. Es untersucht den Witz als Textsorte mit eigenen Strukturmerkmalen und es verfolgt ein kommunikationsorientiertes Interesse, da das Lachen als Antwort auf den Witz in die Betrachtung integriert ist. Außerdem nimmt es den Zusammenhang von Sprache und Kognition in den Blick und sucht diese Verbindung über unterschiedliche semantische Strukturen herzustellen. So werden auch unterschiedliche linguistische Ansätze und Methoden in der Arbeit produktiv gegenübergestellt und integriert.

Das Buch beginnt mit einem historischen Überblick zur Begriffsgeschichte von „Witz“ sowie zu Theorien über den Witz. Traditionelle Positionen werden anhand der Forschungsliteratur benannt. Im 3. Kapitel werden Formen und Funktionen des politischen Witzes im Allgemeinen sowie der historische und soziale Kontext des politischen Witzes in der DDR aufgezeigt. Als Ausdruck einer Gegensprache zum offiziellen Sprachgebrauch in der DDR beruht der politische Witz auf Sprachsensibilität und Sprachkritik.
Im 4. Kapitel werden verschiedene Komiktheorien analysiert und zusammengeführt. Eine erste allgemeine Klassifizierung des Witzes findet sich im 5. Kapitel. Witze können danach in die Kategorien Sprach- und Sachwitze differenziert werden.

Kapitel 6 enthält die theoretische und methodische Fundierung für die nachfolgende Untersuchung des DDR-Witzes. Das der Studie zugrunde gelegte Korpus (Kapitel 7) besteht aus einer Sammlung von DDR-Witzen, von denen insgesamt 93 Sprachwitze im 8. Kapitel analysiert werden. Die Bedeutung der wesentlichen Textelemente der Witze wird mit Hilfe gängiger DDR-Wörterbücher beschrieben. Auf anschauliche und linguistisch kompetente Weise wird der Sprachwitz umfassend strukturiert und klassifiziert. Nachdrücklich wird herausgearbeitet, dass es feste sprachliche Grundschemata des Witzes gibt, die auf unterschiedlichen Struktureigenheiten der Sprache beruhen.

Als solche Eigenheiten der Sprache werden semantische, lexikalische, morphologische, wortstrukturelle, syntaktische und stilistische Mittel beschrieben, derer sich der Sprachwitz bedient. Hier zeigt sich das sprachlich kreative Potential, das in Witzen steckt und über das sowohl Erzähler wie auch Hörer verfügen müssen, um die entsprechenden Witze zu verstehen.

Die Arbeit schließt mit einem Überblick, in dem die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst und in Beziehung zu anderen Theorien zum Witz gestellt werden.



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